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Auf den Spuren von Fipronil

In zahlreichen Artikel, in jedem Radiosender und im Fernsehen schallt es wieder: Eier mit Fipronil! Dabei gilt wie bei den meisten Skandalen zunächst Aufklärungsbedarf statt Panikmache.

„Wurde Fipronil auch in Bayerns Ställen verwendet?“ (Augsburger Allgemeine),

„Rückruf: Fipronil in Eiern und Ei-Produkten“ (Verbraucherzentrale.de)“

„deutlich mehr als zunächst angenommen. Die Ware muss nun raus aus den Regalen. Es wird geräumt.“(muenchen.de),

„Insektizid-belastete Eier mit insgesamt 14 Kennnummern sind aus den Niederlanden nach Bayern geliefert worden, darunter auch Bio-Eier.“ (nordbayern.de),

Was ist Fipronil

In seiner Reinform ist es ein leicht gelblicher Feststoff. Er hat einen PH-Wert von 5-7 und ist somit leicht sauer. Als Vergleich: Die menschliche Haut hat etwa einen PH-Wert von 5,5 und befindet sich daher ebenfalls in einem leicht sauren Milieu.

Die wohl entscheidende Frage ist nun: Ist Fipronil nun gefährlich für uns Menschen oder nicht? Eine klare Antwort gibt es da zunächst nicht. Der Stoff selbst steht zwar im Verdacht krebserregend zu sein, dies kann aber nicht zu 100% bestätigt werden, denn nach heutigem wissenschaftlichem Stand kann Fipronil offiziell nicht als kanzerogen(krebserregend) eingestuft werden.

Die Herstellung

Hergestellt wird es durch mehrerer aufeinanderfolgende und komplizierte Prozesse und wurde erstmals 1987 durch das französische Chemieunternehmen „Rhône-Poulenc“ entwickelt.

Fipronil: (RS)-5-Amino-1-(2,6-dichlor-α,α,α-trifluor-p-tolyl)-4-trifluormethylsulfinyl-1H-pyrazol-3-carbonitril (Foto: Denise Heller).
Fipronil: (RS)-5-Amino-1-(2,6-dichlor-α,α,α-trifluor-p-tolyl)-4-trifluormethylsulfinyl-1H-pyrazol-3-carbonitril (Foto: Denise Heller).

Auswirkung auf Umwelt, Mensch und Tier

Die Auswirkungen auf Organismen und Pflanzen sind hier unterschiedlich. Im Folgenden wird zwischen Insekten, Parasiten, Tieren und Menschen unterschieden. Oft wird Fipronil zur Insekten- und Parasitenvernichtung eingesetzt. Die Wirkung ist hier tödlich. Bei Insekten gelangt das Gift über das Exoskelett in das Nervensystem. Hier sorgt es dafür, dass die Nervenreize nicht mehr weitergeleitet werden können, solange bis der Tod des Insekts eintritt.

Bei Säugetieren, Vögeln und Reptilien hat das Mittel keine vergleichbar starke Wirkung. Doch trotz der kaum merkbaren Symptome sind die Langzeitschäden durch Fipronil bis heute umstritten. Das Insektizit führt nur in einer sehr hohen Dosis zum Tode.

Anwendung auf Hundefell (Foto: Denise Heller).
Anwendung auf Hundefell (Foto: Denise Heller).

Bei unseren Haustieren ist es dank der starken Wirkung auf Parasiten üblich geworden Fipronil gegen Flöhe und Zecken einzusetzen. Genutzt werden hierbei unterschiedliche Varianten. Grundsätzlich wird aber immer auf eine orale Behandlung verzichtet. Als Spray wird es beispielsweise auf die Haut aufgetragen und durch die Talgdrüsen des Tieres aufgenommen. Die Wirkung tritt etwa nach 24 Stunden ein und tötet nahezu alle Flöhe und Zecken ab. Wirksam ist das Mittel je nach Größe nur vier bis fünf Wochen. Bei Reptilien wird das Mittel vor allem gegen Milben eingesetzt.

Anwendung bei den Nutztieren

Zuletzt kommen wir zu unseren Nutztieren. Der Einsatz hierbei ist genauso effizient wie auch bei unseren Haustieren. Die Anwendung von Fipronil speziell bei Tieren wie Hühnern und anderen Stall- und lebensmittelliefernden Tieren ist allerdings gesetzlich nicht erlaubt. Während Fipronil in der EU noch zur Saatgutbehandlung bis Juli 2018 erlaubt ist, ist es in Deutschland bereits verboten. Allerdings erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) immer wieder einzelne Ausnahmegenehmigungen zur Anwendung für sogenannte Drahtwürmer. Diese verursachen unterirdisch Schäden an Mais, Getreide und Hackfrüchten.

Hier als auch zur Anwendung gegen Ameisen und bei Kakerlaken findet das Mittel seine Anwendung. Dadurch können ganze Kolonien ausgelöscht werden, denn viele Insektenarten fressen ihre Artgenossen nach dem Tod. So wird das Gift von Körper zu Körper weitergegeben.

Fipronil auf Eiern

Jetzt zum heiklen Thema: Wie kommt das Fipronil also in unsere Eier? Denn trotz des Verbots, innerhalb der Lebensmittelerzeugung, wurde im Juni, Juli und August 2017 in Hühnereiern, Hühnerfleisch und Hühnerkot aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Österreich Fipronil nachgewiesen.

Handelsübliche Hühnereier (Foto: Denise Heller).
Handelsübliche Hühnereier (Foto: Denise Heller).

Der Grund dafür: Fipronil als Desinfektionsmittel in den Ställen. So nehmen es Hennen über Haut, Atemwege und durchs Futter auf. Das Resultat: Mit Insektizit verseuchte Eier. Die Schließung vieler großer Legehennenbetriebe und die Vernichtung mehrerer Tausend Eier war die Folge. Ebenfalls wurden zwei der Betreiber der Reinigungsmittelfirma, welche das Desinfektionsmittel hergestellt hatte, verhaftet. Mittlerweile schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass es sich um 10,7 Millionen Eier handelt.

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