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Dose, Glas oder PET – Wer ist die Grünste im Land?

Für die Zukunft hat sich die Verpackungsbranche Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben.
Doch die Ansätze sind verschieden. Es gibt etliche Methoden, um auf einen grünen Zweig zu kommen. So unterschiedlich die Optionen zur Verpackung von Getränken mit ihren Vor- und Nachteilen auch sind – sie haben eine Gemeinsamkeit: Ihre Hersteller werben mit Nachhaltigkeit. Auf der Brau Beviale in Nürnberg haben viele Unternehmen der Branche ihre Maßnahmen zur ökologischeren Verpackung vorgestellt.

Peter Désilets, Vorstand der Pacoon AG präsentiert auf der Messe die Megatrends der Getränkeindustrie. Mit von der Partie: Nachhaltigkeit (Foto: Nicolas Weiß).
Peter Désilets, Vorstand der Pacoon AG präsentiert auf der Brau Beviale 2015 die Megatrends der Getränkeindustrie.
Mit von der Partie: Nachhaltigkeit (Foto: Nicolas Weiß).

Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf an verpackten Getränken. So ist der weltweite Pro-Kopf-Konsum innerhalb der letzten Jahre um etwa 25 Liter pro Jahr angestiegen. Umso mehr produziert, transportiert und konsumiert wird, desto wichtiger ist die auch Wahl des Verpackungsmaterials und einhergehend: der Faktor Nachhaltigkeit für die Umwelt.
Diese ist längst mehr als ein Prestigewert, der den umweltbewussten Konsumenten zufrieden stellen soll. Nachhaltigkeit gilt als Wertschöpfungsfaktor für Unternehmen die langfristig am Markt bestehen wollen. So erlauben Energieeffizienz und Ressourcenschonung auch Kosteneinsparungen, die notwendig sind um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern. Dabei haben einige Verpackungsmaterialien sicherlich einen naturgegebenen Vorteil. Die Hersteller weniger begünstigter Verpackungen sind jedoch erpicht darauf, mit Forschung für Entwicklungen Stärken auszubauen und Schwächen auszugleichen.

Glas besticht durch bisher unerreichte Schlankheit

Bunte Glasflaschen (Foto: Nicolas Weiß).
Glasflaschen werden immer leichter (Foto: Nicolas Weiß).

Der Verpackungsglashersteller Vetropack sieht seinen Vorteil in neuen Produktionsverfahren. Zusammen mit Emhart Glass hat das Unternehmen ein Verfahren zur thermalen Härtung von Glas erarbeitet. Die zusätzlich gewonnene Stabilität wird genutzt um die Materialverwendung bei der Flaschenherstellung zu verringern. Die Methode in der Testphase soll somit Gewicht und Ressourcen sparen ohne sonstige Vorzüge des Glases in Mitleidenschaft zu ziehen. Bei Transport sowie Produktion werden letztendlich Energieverbrauch und somit CO2-Emissionen gesenkt. Das niedrige Gewicht des „Lightweight Glass“ dürfte zudem auch den Endverbraucher freuen.
Glas zählt dabei zu den nachhaltigeren Verpackungen des Marktes. Es enthält meist natürliche Rohstoffe und als Produkt einen hohen Anteil an recyclebarem Material. Der Vorzug von Glas-Recycling: Das Einschmelzen von Altglas erfordert weit weniger Energie als das Schmelzen der Primärrohstoffe.

Dosenhersteller setzen auf grüne Meilensteine in der Zukunft

Die klassische Dose erfreut sich bei Konsumenten weiterhin wachsender Beliebtheit. Zu Lande ist das Getränk der Wahl meist Bier. So wurde im Juni 2015 ein Absatzrekord am deutschen Markt von über 900 Millionen Einheiten erreicht. Ökologisch schneidet die Aluminiumverpackung jedoch nicht so gut ab – die Herstellung ist energieaufwendig, der Anteil an recyclebarem Material im Durchschnitt vergleichsweise gering. Daher setzen Hersteller auf Effizienz im Produktionsablauf selbst. Doch das Ziel der nachhaltigeren Dose liegt in der Zukunft.

Getränkedosen (Foto: Karoline Grimm).
Getränkedosen schneiden bis jetzt am schlechtesten ab (Foto: Karoline Grimm).

Getränkedosenhersteller Ball Packaging Europe preist auf der Nürnberger Brau Beviale Innovation und Nachhaltigkeit als seine Erfolgsfaktoren an. Mit der hauseigenen „Cut/4 CArboN“ Initiative konnten die verursachten CO2 Emissionen bei der Produktion der gängigsten Getränkedosen innerhalb der letzten vier Jahre um 10 Prozent gesenkt werden. Die Devise lautet: Höchstmögliche Energieeffizienz. Durch komplexe Energiemanagement-Systeme soll der Stromverbrauch auch in Produktionspausen optimal angepasst werden. Laut eigener Angaben hat der Hersteller 2013 etwa 19 Millionen US-Dollar in Energiespar-Maßnahmen investiert. Das Unternehmen strebt an, seine CO2 Emissionen in den kommenden fünf Jahren um weitere 10 Prozent zu senken. Getränkedosenhersteller Rexam hat auf der Messe seinen Nachhaltigkeits-Bericht präsentiert und vergleichbare Ziele für die kommenden Jahre angekündigt.

PET befindet sich weiter auf dem Vormarsch. Vor allem in der Softdrink-Branche wird bevorzugt in PET-Verpackungen abgefüllt. Hier ist das stärkste derzeitige Wachstum des Getränkeverpackungs-Marktes zu finden. Auch hier wird auf Lightweighting gesetzt.
So ist die KHS GmbH auf der diesjährigen Brau Beviale für ihre 20 Gramm leichte 1-Liter-PET-Milchflasche mit dem World Beverage Innovation Award ausgezeichnet worden. Vergleichbare Flaschen bringen in der Regel 22 Gramm auf die Waage. Da in der Regel etwa 70 Prozent der Herstellungskosten für PET auf das Material zurück fallen, können Hersteller so spürbar sparen. Zudem werden Ressourcenbedarf und Energieverbrauch geschont. Durch Recyclingraten von bis zu 93,6 Prozent – Einweg- und pfandfreie Flaschen eingeschlossen – steht die Kunststoffflasche ohnehin ganz weit oben bei der Ökoeffizienz.

"Fliegengewicht": die PET-Flasche
„Fliegengewicht“: die PET-Flasche (Foto: KHS GmbH)

Doch auch Tetra Pak hat sich beim Thema Nachhaltigkeit nicht zurückgelehnt und wurde auf der Brau Beviale für eine Innovation ausgezeichnet. Der Getränkekarton Tetra Rex Bio-based ist in Zusammenarbeit mit dem Chemieunternehmen Braskem entwickelt worden und der weltweit erste seiner Art, der ausschließlich aus nachwachsenden Ressourcen besteht. Die aus Zuckerrohr hergestellte Kunststoffverpackung wurde bereits auf dem finnischen Markt getestet und ist nun bereit für den weltweiten Einsatz. Das verwendete Zuckerrohr soll auf brachliegenden Weideflächen angebaut werden. Der weltweit führende Anbieter von Verarbeitungs- und Verpackungssystemen für Nahrungsmittel und Getränke will seinem Motto „Schützt, was gut ist“ nachkommen und präsentierte auf der Fachmesse neben Produktneuheiten auch seinen Nachhaltigkeitsbericht 2015. In diesem werden Ansätze, Maßnahmen und Ziele vorgestellt, die Nachhaltigkeit in allen unternehmensrelevanten Bereichen sicherstellen sollen. Unter anderem wird angestrebt bis 2020 etwa 40 Prozent aller Kartons der Wiederverwertung zuzuführen.

Dennis Jönsson, President und CEO der Tetra Pak Group äußert sich zu den ambitionierten Zielen seines Unternehmens: „Das kann uns nur gelingen, wenn wir im gesamten Unternehmen gut zusammenarbeiten, innovativ sind, unsere Ziele konsequent verfolgen und uns unserer Verantwortung bewusst sind. Mit der Bekanntgabe der Nachhaltigkeitsziele für das Jahr 2030 durch die Vereinten Nationen wird das Thema Nachhaltigkeit künftig noch stärker in den Tätigkeiten von weltweit agierenden Unternehmen verankert sein.“
Wenn auch deutliche Unterschiede in der Nachhaltigkeit der jeweiligen Verpackungsmaterialen zu vermerken sind, ist der Trend zur Öko-Bereitschaft vieler Unternehmen sicherlich eine positive Entwicklung. So werden Initiativen, Forschung und Innovation angetrieben und der Konsument findet weiterhin die Getränkeverpackung seiner Wahl in den Ladenregalen.

von Nicolas Weiß

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