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Ehemaliger Botschafter wirbt für Iranhandel

2016 soll der Abbau der Iran-Sanktionen beginnen. Bernd Erbel, bis 2013 Botschafter in der Hauptstadt Teheran, wirbt für einen Wiederaufbau der deutsch-iranischen Beziehungen – auch im Hinblick auf den Bürgerkrieg in Syrien.

Nach mehr als zwölf Jahren Nuklearverhandlungen haben sie entschieden: Mitte Juli haben sich die fünf Uno-Vetomächte, Deutschland und Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Es soll sicherstellen, dass der Iran keine nuklearen Waffen baut, die Atomkraft aber weiterhin zivil nutzen kann. Dafür sollen UN-Sanktionen und Waffen-Embargos gegen das Land schrittweise fallen. Bis das passiert, wird es allerdings noch etwas dauern: Bis frühestens Anfang, eher Mitte des Jahres 2016 wird man sich gedulden müssen, schätzen Experten. Denn vorher muss die Internationale Atomenergiebehörde IAEA bestätigen, dass Teheran alle Vereinbarungen in dem rund hundertseitigen Abkommen erfüllt hat.

„Der Abbau der Sanktionen bietet umfassende Chancen für den deutschen Maschinenbau“, sagte Bernd Erbel auf dem Maschinenbaugipfel in Berlin. Der 77-jährige Diplomat und ehemalige Botschafter in Teheran beschreibt die deutsch-iranischen Geschäftsverbindungen als „überaus positiv, und das schon über viele Jahre“. Durch die jahrelangen Sanktionen seien die Beziehungen etwas abgekühlt, deutsche Produkte wegen ihrer Qualität aber immer noch sehr gefragt.

Im Jahr 2014 exportierte Deutschland Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro in den Iran, etwa halb so viel wie vor Start der Sanktionen 2005. „Auf den damaligen Wert zurückzukommen, dürfte in kurzer Zeit möglich sein“, sagt der Diplomat. Selbst Exporte über 10 Milliarden Euro pro Jahr seien in den kommenden Jahren realistisch. Denn nach der Aufhebung der Sanktionen soll reichlich Geld in das Land fließen. Rund 90 Milliarden Euro sollen eingefroren auf ausländischen Konten liegen.

Der Neueinstieg in den Iranhandel habe aber nicht nur geschäftliche Vorteile, meint Erbel. „Der Iran kann dazu beitragen, die Machtverhältnisse in der Region zu normalisieren und seinen Nachbarn mehr Stabilität zu verleihen.“ Der Diplomat, der lange Zeit im Nahen Osten gelebt hat, bezeichnet die iranische Bevölkerung als ausgesprochen liberal und westlich verortet, den Iran als „Insel in der arabischen Welt.“ Um das Land zu stärken, müsse Europa seinen Wirtschaftskraft nutzen. Vor allem im Hinblick auf Syrien sei der Einfluss des Handelspartners nicht zu unterschätzen.

Seit dem ersten Golfkrieg in den 1980ern sind beide Länder enge Verbündete. Der iranische Präsident Rohani stützt die Regentschaft Assads, bot sich im September aber auch als Vermittler im Syrien-Konflikt an. In einem Meinungsbeitrag in der Washington Times schrieb er, seine Regierung wolle dabei helfen, „den Dialog zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu erleichtern.” Währenddessen kämpfen laut Medienberichten jedoch zahlreiche Einheiten der iranischen Revolutionsgarde, einer paramilitärischen Organisation, auf der Seite Assads gegen die Rebellen.

In Syrien habe man zu Assad oder dem Islamischen Staat (IS) momentan kaum eine Alternative, sagt Erbel. Solange der IS eine derartige Gefahr darstelle, müsse man mit Assad verhandeln. Und da habe der Iran eine weitaus bessere Ausgangssituation als die westlichen Länder. Mit dieser Meinung ist der ehemalige Botschafter nicht alleine.

Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hofft darauf, dass der Iran an einem Verhandlungstisch entscheidenden Einfluss haben könnte. Die Vereinbarung zur Aufhebung der Sanktionen sei eine vielleicht nicht wiederkehrende Gelegenheit, die verhärteten Fronten in der Syrienkrise endlich aufzubrechen. So schrieb er im September in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel.

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