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Energy-Drinks – ein Kurztest der Marken

Sie sind immer noch in aller Munde, angeblich belebende Erfrischungsgetränke, die uns Energie liefern, die wir doch so dringend brauchen, so suggeriert es uns die Werbung. Doch zu welchem Preis? Zum Preis der Gesundheit, wie manche behaupten? Sind die von Wissenschaftlern verpönten Energielieferanten wirklich so kritisch zu sehen, oder ist dieser Ruf ungerechtfertigt und eine kühle Dose kann mal den heißen Kaffee ersetzen, um dabei gleichzeitig mehr Energie zu liefern, als ein Kaffee das überhaupt könnte?

Diesen und anderen Fragen will ich hier in einem selbst entworfenen Kurztest meinerseits nachgehen. Doch es geht mir nicht allein um den puren Energieeffekt und den so viel diskutierten Gesundheitsfragen. Denn die kann man sich an einem schönen Zitat vielleicht sogar selber ableiten. Die alten Zitaterfinder von damals sollen ja auch mal ihren Ruhm kriegen.

„Die Dosis macht das Gift.“ – Paracelsus

Es geht mir jetzt also mehr nach Fragen wie Geschmack, wie der eigentliche Inhalt der Dose oder der Flasche auf mich wirkt, denn auf den achtet man ja eigentlich leider selten, in einer verschlossenen Dose.
Fragen wie, was die jeweiligen Getränke so besonders macht, ob sich die Inhaltstoffe unterscheiden, und was das billige Getränk vom Markengetränk unterscheidet.

Die potentiellen Testkandidaten sind so manigfaltig, wie ein Pokémonkarten-Deck, außerdem besitzen die Hersteller der ganzen Energydrinks auch noch die Dreistigkeit verschiedenste Geschmackssorten mit außerordentlich bunten Namen auf den Markt hingeführt zu haben. Das macht die Auswahl natürlich schwierig, da es viele Untermarken und Submarken gibt und jeder Rezipient im Prinzip seinen eigenen favorisierten Fruchtgeschmack hat.

Der Einfachheit halber, werden also nur die Grundmarken getestet, die mit keinem besonderen Fruchtgeschmack vermischt sind, diese werde ich auf Geschmack, Dosenoptik, Besonderheiten und mithilfe eines Bechertests auch den (hoffentlich flüssigen) Inhalt bewerten.

Weihnachtsbaum

Als Testkandidaten wurden auserkoren: Red Bull, Monster Energy, Effect, Magic Man und als exotischen Bonus „Guarana Antarctica“, welches damit wirbt ein brasilianisches Original zu sein und der offizielle Sponsor der brasilianischen Nationalmannschaft ist.

Redbull

Nun denn, lassen wir den energetischen Sonntag beginnen. Als Erstes möchte ich mit Red Bull beginnen. Im Prinzip die Marke, die mir primär einfällt, wenn ich an Energy-Drinks denke. Und vermutlich auch die Älteste im Geschäft, wenn man bedenkt, dass es Red Bull bereits seit 1980 gibt.

Optik der Dose:
Die Dose ist klassisch in blau und silber gehalten, schimmert und spiegelt etwas im Licht. Zwei Stiere laufen aufeinander zu, es wird damit geworben, dass der Geist und Körper belebt wird. Nettes Detail: Der Dosenverschluss, der übrigens dazu dienen soll einen Strohalm zu halten, verfehlt hier seine Funktion, stattdessen ist ein Stier eingeprägt.

Optik des Inhalts:
Sobald man die Dose öffnet, raucht es leicht und ein Hauch energetischer Luft dringt in die Nase ein, begleitet vom klassischen Klacken einer sich öffnenden Dose. Schüttet man den Inhalt ein, fällt einem sofort ein, woher der Nebel kommt. Das Getränk beinhaltet sehr viel Kohlensäure. Die Farbe würde ich als mittelgelblich und leicht orange bezeichnen. Die Farbe dringt nicht so stark durch und man kann noch gut durch den Becher durchschauen.

Geschmack:
Nachdem man das Getränk etwas im Mund durchspült, fällt einem eins sofort auf, die vorher stark prickelnde Kohlensäure spürt man kaum noch, stattdessen schmeckt man den Zucker schnell raus. Den Geschmack würde ich als absoluten energetischen Standard bezeichnen, süß, mit einem ordentlichen Nachgeschmack des Koffeeins und wie ich vermute des Taurins. Die besondere Süße fällt mir sofort auf.

Besonderheiten: Stark prickelnd, Warhnhinweise auf der Packung am besten gekennzeichnet; geschätzt von Spitzensportlern, Studenten, in stark fordernden Berufen sowie bei langen Autofahrten. Als Besonderheit nur Taurin.

Fazit: Keine Überraschungen. Starker, evtl. leicht unnatürlicher Nachgeschmack.

Effect

Als nächstes probieren wir Effect, eine Marke, die ich vor allem aus Discos kenne, wo sie häufig mit Vodka zusammen serviert wird. Übrigens eine deutsche Marke, drin(g)kt hier vielleicht das „Made in Germany“ Qualitätsmerkmal durch?

Optik der Dose:
Die Optik verheißt jedenfalls Gutes, die Dose wirkt sehr stilvoll, stimmig und wertig auf mich. Sie ist schlicht in weiß gehalten, mit roter Bepunktung und dem Markennamen auf der Dose, wirbt mit einer Website, die man womöglich mit House-Musik in Verbindung bringt. Man könnte meinen Dj´s trinken dieses Getränk vor allem häufig, sobald man diese Website aufruft. Des Weiteren fällt auf der Rückseite das „Developed in Germany“-Logo auf, das wohl die „High Quality“ auf der Vorderseite bestätigen soll. Verziert ist das Ganze noch mit einem roten Dosenverschluss. Die Dose hat etwas mehr Inhalt, als die Red Bull Dose, der im Gesetz frei festgelegten ml-Angaben sei Dank.

Optik des Inhalts:
Etwas dunkler als der Vorkandidat, das Dampfen blieb aus, die Kohlensäurebläschen sind größer, die Farbe etwas dominanter, aber hier darf man ganz klar von Nuancen sprechen.

Geschmack:
Den Geschmack würde ich, nach einer kurzen Zwischenspülung mit Wasser, als stärker und würziger beschreiben, durch kommt ein starker, besonderer, konzentrierterer Geschmack. Jetzt bleibt natürlich die Frage, ob man das als qualitativer empfindet. Der stärkere Geschmack, den ich als etwas künstlich empfinde, vermag jedoch den Eindruck erwecken, stärker zu wirken. Ob das so ist, kann ich noch nicht beurteilen. Jedenfalls fühle ich mich nach den ersten zwei Geschmacksproben schon deutlich vitalisierter und konzentrierter als vorher.

Besonderheiten:

Developed in Germany, wirbt mit einem „klassichen Energy Taste“, beinhaltet Taurin, und zusätzlich wird, im Gegensatz zu Red Bull, mit dem Inhalt von fünf Vitaminen geworben.

Fazit: Dominanter Geschmack.

Monster

Als Nächstes nehmen wir einen Vertreter, der vor allem im Gaming-Bereich angesagt ist. Die Zocker unter uns, wissen jetzt vermutlich was kommt, die Rede ist von Monster Energy. Mir selber bekannt von LAN-Party´s und aus dem E-Sports-Bereich verheißt diese Dose jedenfalls eins. Pure Energie. Das wird schon durch die größere Dose und das besondere Design ersichtlich.

Optik der Dose:
Monster Energy kommt in einer 500 ml Dose daher, wirbt mit Slogans wie „Unleash the beast!“. Die Dose ist markant schwarz, mit großen Schriftzügen versehen und das große grüne Logo, sieht aus wie eine Wolfsverletzung durch Kratzen. Die Dose wirkt mitunter gruselig, die Schriftzüge sehen aus wie aus einem Horror-Film. Das heißt natürlich nicht, dass das Getränk gruselig wirkt, im Gegenteil, das besondere Design macht Lust auf das Trinken. Hergestellt wird das Getränk in Holland.

Optik des Inhalts:
Beim Öffnen der Dose, sticht mir ein, im Gegensatz zu den beiden vorherigen, kaugummiartiger, fruchtiger Geruch entgegen, ich hab zuerst eher eine grünliche Farbe, beim ersten Riechen vermutet. Beim Getränk einschenken fällt auf, dass Monster Energy deutlich oranger als die Vorgänger ist. Ob das an dem beworbenen Guarana liegt?

Geschmack:
Bis jetzt überzeugt mich hier der Geschmack am meisten. Es ist diese fruchtige Note, die etwas von Waldmeister hat, die hier besonders heraussticht. Auch sticht die Kohlensäure hier nicht so raus und macht die Flüßigkeit sehr gut und süffig trinkbar. Geschmacklich würde ich hier fast die Bestnote vergeben. Jetzt kommt es natürlich auch immer darauf an, ob man das Getränk mit Alkohol vermischt, tut man dies jedoch nicht, würde ich hier, an dieser Stelle, die Bestnote für Geschmack vergeben.

Besonderheiten:
Jugendlicher Werbestil, markantes Design, große Dose, wirbt mit den Inhaltstoffen L-Carnitin, Taurin und Guarana und B-Vitaminen.

Fazit: Interessanter Geschmack.

Kommen wir nun zu unserem einzigen Kandidat aus der Flasche, bekannt für ihren billigen Preis und zum günstigen Vermischen von Alkohol. Die Rede ist von Magic Man.

Magic Man

Optik der Flasche:
Man sieht das Getränk direkt durch, es ist im Gegensatz zu allen anderen Testkandidaten relativ bräunlich. Auf dem Etikett wirbt eine Leonardo Da Vinci Figur, beworben auf der Vorderseite wird auch, dass Koffein enthalten ist. Das Etikett ist leicht rosa und geht in silber und schwarz über. Der Flaschenhals ist geriffelt und sorgt für besseren Griff. Empfohlen wird eiskalter Genuß.

Optik des Inhalts:
Beim Betrachten der Flasche fällt auf, dass wenig Kohlensäure vorhanden ist, es sind kaum Bläschen zu sehen. Auch beim Öffnen der Flasche bestätigt sich dieser Eindruck. Der Geruch ist fruchtgummiartig und vielleicht als etwas lasch zu bezeichnen. Doch ich muss nochmal ganz klar sagen, wir reden hier von subjektiven Eindrücken. Auffällig ist vielleicht noch, dass von allen Testkandidaten hier am wenigsten Zucker vorhanden ist.

Geschmack:
Schwach und nicht aufdringlich, typischer leichter Energy-Geschmack, gut vermischbar mit anderen Getränken. Ordentlich im Abgang.
Besonderheit:
In Flasche verpackt, günstiger Preis, dominante Farbe.

Fazit:
Klassisch, man kriegt, was man erwartet.

Guarana

Dann testen wir mal eben noch kurz den Exoten, Guarana Antarctia, dem Sponsor der brasilianischen Nationalmannschaft. Allerdings jetzt nur im

Ultra-Kurz-Test:

Kleinste Dose, sehr fruchtig, erinnert mich ein bisschen an Uludag, allerdings schmeckt es schon sehr süß.

Funfacts

Was ist eigentlich Guaraná?

Die Guaraná ist eine Pflanzenart die Amazonasbecken beheimatet ist. Der Name Guaraná bezieht sich auf das südamerikanische indigene Volk der Guaraní. Guaraná soll leicht fiebersenkend wirken und bei körperlicher Schwäche das Durchhaltevermögen stärken. Ähnlich wie Kaffee hat Guaraná eine anregende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem. Es dämpft ferner Hunger- und Durstgefühle, was die Gefahr einer Dehydratation bei Sportlern erhöht.

Was ist eigentlich Taurin?

Taurin wurde zunächst 1824 aus der Ochsengalle isoliert. Der Name wurde vom griechischen Wort für „Stier“ abgeleitet. Es handelt sich hierbei um eine Aminoethansulfonsäure, die beim Abbau der Aminosäure Cystein entsteht. Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine von Proteinen.

Wirkung: Für Erwachsene ist die äußere Zufuhr von Taurin nicht essentiell, da es im Körper selbst hergestellt werden kann. Säuglinge können dies noch nicht und sind auf die Aufnahme durch die Muttermilch angewiesen. Taurinmangel im menschlichen Körper kann Störungen des Immunsystems nachsichziehen. Gute Nahrungsquellen für Taurin sind Fisch, Fleisch und Milchprodukte.

Der Mensch benötigt Taurin für die Bildung der Gallensäuren Taurocholsäure und Taurochenodesoxycolsäure. Es wird angenommen, dass Taurin bei der Entwicklung des Nervensystems und beim Muskelwachstum eine Rolle spielt. Weiterhin wird ihm eine Funktion als Radikalfänger und als Überträgersubstanz im Gehirn zugeschrieben. Detaillierte Untersuchungen hierzu fehlen jedoch. Möglicherweise verstärkt Taurin die Wirkung von Koffein, was erklären könnte, warum Energydrinks stärker anregen als Kaffee! Aktuelle Untersuchungen kommen zu dem vorläufigen Ergebnis, dass Taurin bei der Behandlung einer Lungenentzündung oder Niereninsuffizienz helfen kann.

Fazit

Gesamtfazit:

Dieser Test wurde nach dem Besuch eines Electro-Festivals durchgeführt um für gute Rahmenbedingungen (im Sinne von Müdigkeit) zu sorgen. Jetzt, nachdem ich mir bereits den einen oder anderen Becher gegönnt habe, muss ich feststellen, dass ich weiß, dass ich müde bin, es allerdings nicht spüre. Im Gegenteil, ich bin konzentriert und könnte jetzt vermutlich noch Stunden so weiterschreiben. Es stimmt also, Energydrinks machen fit. Allerdings fühlt es sich an wie eine Art „Scheinfitheit“, die sich der Körper, vermutlich irgendwann zurück holen will. Vom Gesamteindruck her, gewinnt bei mir klar Monster Energy. Von den ganzen Standardausführungen mundet mir diese Dose am besten. Als „Edelgetränk“ hat sich bei mir Effect durchgesetzt, ich weiß nicht, ob es die bloße Aufmachung ist, aber das Design im musikalischen Style, weiß einfach anzusprechen. Etwas enttäuscht bin ich von Red Bull. Vor allem der geschmackliche und der etwas süßliche, künstliche Abgang machen mir etwas zu schaffen.

Was mir auch auffiel, und was vielleicht auch nicht unbedingt neu ist, ist der viele Zucker, den man wirklich an den Zähnen spürt. Alle Getränke sind ziemlich süß und damit selbstverständlich nicht unbedingt gesund. Ich persönlich habe ja das Glück, ein wenig unterzuckert zu sein, insofern komme ich darauf klar. Wenn ich mir die ganzen Inhaltsstoffe ansehe, die im Prinzip bei jedem Energy-Drink drinnen ist, wird mir auch etwas mulmig und ich fühle mich so, als hätte ich grad im Chemie-Labor Proben getestet.

Insgesamt würde ich sagen, Energy-Drinks sind bei einer langen Nacht okay, und wirklich gut, wenn man irgendwie durchhalten muss. Allerdings ist der klassische Kaffee einfach viel alltagstauglicher und im Geschmack natürlicher.

Ob man sich also diese Getränke im Körper antut, muss wie immer im Leben, jeder selbst entscheiden. Vergesst einfach nicht:

„Die Dosis macht das Gift“

Ein Geheimtipp einer Freundin war übrigens mal: Trinkt Pfefferminztee, das Zeug macht in der Früh fit, wie Kaffee, ist dabei aber gesünder und gibt dem Körper Wasser. Sie sei an dieser Stelle für diesen Geheimtipp gegrüßt.

R. Schmidt (oder auch: Gastautor)

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