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Veränderung der Fertigung in der Industrie 4.0 durch Roboter

„Roboterarme sind dafür gedacht, um die menschliche Arbeitskraft ein Stück weit zu ersetzen“. Unter anderem das erklärt ein Mitarbeiter der Firma Schunk auf der SPS IPC Drives 2017  zum Thema Industrie 4.0.

Zum Thema Robotics trägt auch die Firma Schunk, ansässig in Lauffen am Neckar (Nähe Heilbronn), bei. Die Firma beschäftigt sich mit dem Entwickeln der Greifsysteme, die an den Armen der Roboter befestigt sind. Wilhelm Ganslmeier ist seit 30 Jahren Mitarbeiter der Firma und erzählt von den den technischen Eigenschaften der Greifsysteme und den Veränderungen, die die Roboter in der Industrie mit sich bringen könnten.

Interview mit einem Vertreter zum Thema Roboter

Werden bei der Herstellung der Greifsysteme besondere Materialien verwendet?

Nein, relevant bei der Herstellung solcher Roboter ist eigentlich nur die preiswerte Produktion, da sie ja größtenteils nur im Lager eingesetzt werden. Sie müssen nicht besonders gut aussehen, sondern nur funktionell und zuverlässig sein. Kommt aber auch auf die besonderen Kundenwünsche an. Unser Standardgreifer wird aus Aluminium und Stahl hergestellt.

Hier auf der Messe ist Industrie 4.0 DAS Thema. Jedoch sieht man deren Funktionen hier nur in Form von Spielereien. Wo werden solche Roboter in Zukunft eingesetzt?

Roboterarme sind dafür gedacht, um die menschliche Arbeitskraft ein Stück weit zu ersetzen. Also um hauptsächlich primitive Arbeit zu erledigen. Ein Werker beispielsweise muss mehrere Hundertmal ein Bauteil, was vielleicht auch noch 5-10 Kg wiegt, hochheben. Da kommt dann abends schon einiges zusammen, was an Gesamtkraft auf den Mitarbeiter wirkt. Dieser wird durch die Technik entlastet. Der Roboter erledigt die tragende Arbeit und der Mitarbeiter ist dann damit beschäftigt, das Teil zu positionieren und zu verbauen. Das spart Zeit und ist körperlich entlastend.

Sie haben gerade das Wort „ersetzen“ ins Spiel gebracht. Werden die Roboter demnach Arbeitsplätze ersetzen oder werden diese lediglich etwas verändert?

Es werden stupide Arbeitsplätze ersetzt, die eigentlich nicht für ausgebildete Menschen geschaffen sind. Bzw. werden auch keine Arbeitsplätze ersetzt, sondern anders gestaltet. Dem Arbeiter wird eine Maschine zur Seite gestellt, die er bedienen kann. Diese erleichtert ihm die Arbeit und der gesamte Prozess kann noch effektiver ausgeführt werden. Außerdem werden Arbeitsplätze geschaffen, indem man innovative Produkte entwickelt. Also die Weiterentwicklung von Greifern in unserem Fall. Die Entwicklung, das sind die Arbeitsplätze der Zukunft! Und dafür werden dann Leute gebraucht, die eine gute Ausbildung haben.

Wie funktioniert die Sensorik der Greifer? Kann der Roboter erkennen um welchen Gegenstand es sich handelt?

Wichtig ist, dass der Greifer elektrisch ist, dass man ihn richtig programmiert und ihn somit regulieren kann. Der Greifarm muss darauf programmiert sein, dass das was er gerade anfasst zB. eine menschliche Hand ist, oder eben ein Werkstück. Mit einer Kraftmessung testet man, mit welcher Kraft etwas angepackt werden darf und das wird dann auf den Greifer übertragen. Mit künstlicher Intelligenz hat das allerdings wenig zu tun, sondern allein mit der Programmierung des Arms.

Die Roboter werden also in der Industrie eingesetzt. Aber wie sieht es in sozialen Bereichen wie der Altenpflege oder dem ganz normalen Haushalt aus? Wird es da auch Anwendungsgebiete geben?

Ja, das nennt sich Service Robotics. Die Idee, dass man sowas beispielsweise in Altenheimen einsetzt, ist auch schon vorhanden. Hier können Menschen dann bei alltäglichen Haushaltsaufgaben unterstützt werden. Jedoch ist diese Form von Robotern noch nicht serienfertig. Da wird noch jede Menge geprüft. Vor allem muss diese Form von Hilfe auch akzeptiert werden. Und das ist gerade bei älteren Menschen noch nicht der Fall. Da spielen soziale Aspekte auch mit rein. Viele ältere Menschen sind überfordert damit und wollen auch nicht, dass ihnen eine Maschine die Zahnbürste holt oder ihnen etwas zu Essen kocht. Das heißt, da muss man noch weiter daran arbeiten, diese Roboter auch in einer Form zu vermenschlichen.

Aber das ist schon sehr weit in die Zukunft gedacht. Das ist wie mit der Elektromobilität. Das braucht Zeit, bis alles stimmt mit der Infrastruktur, der Technik und vor allem auch mit der Akzeptanz in der Gesellschaft. Auch muss zu 100% gewährleistet sein, dass keinerlei Gefahr von solchen Maschinen ausgeht.

Die Entwicklung Richtung Massentauglichkeit geht in technischen Bereichen dann aber plötzlich immer ganz schnell. Und für diesen Zeitpunkt muss man als Unternehmen stets gerüstet sein.

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