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Obst und Gemüse: Aufwendige Reise bis nach Deutschland

Falls es einige von euch noch nicht wussten: Es ist wieder Erdbeerzeit. Vier Euro vierundvierzig kostet die ein-Kilo-Kiste bei Netto. Bei Edeka zahlt man für dieselbe Menge sechs Euro vierundzwanzig. Die Industrie und ihre Massenproduktion macht es möglich Erdbeeren fast das ganze Jahr über kaufen. So kann man nicht davon sprechen, dass mal wieder Erdbeerzeit ist. Es ist immer noch Erdbeerzeit. Zu entsprechenden Preisen und in geringen Mengen kann man das ganze Jahr über frische Erdbeeren kaufen.

Obst früher saisonal, heute das ganze Jahr über

Doch es gibt noch weiteres Obst und Gemüse, das von der Globalisierung und Vernetzung profitiert. Mango, Banane, Orange und Pomelo sind nur ein Beispiel für Früchte deren Ursprung nicht Deutschland sind und die auch heute noch nicht hier angebaut werden. Trotzdem kennen und essen wir diese Früchte. Auch Gemüse wie Zuccini, Paprika oder Tomaten sind früher nur in den Sommermonaten verfügbar gewesen. Denn zu dieser Zeit ist es auch in Deutschland warm genug für das Gemüse. Trotzdem kann man sie heute das ganze Jahr über kaufen.

Der Kulturapfel Boskoop ist eine alte regionale Sorte, der mit seinem säuerlich fruchtigen Geschmack überzeugt.

Die Orange, von der Plantage bis in den Supermarkt

Dabei macht man sich häufig wenig Gedanken über die Herstellung, die Verarbeitung, die Lagerung und den Transport. Am Beispiel der Orange soll veranschaulicht werden wie aufwendig die Produktion einer Orange ist, bis sie schließlich im Supermarkt landet: Das Leben einer Orange beginnt wie sich vermuten lässt, an einem Orangenbaum. Dort reifen die Früchte sechs bis 18 Monate, ehe sie dann zwischen November und März geerntet werden. Die meisten Orangen werden von Hand geerntet. Ein Arbeiter kann in einer Stunde bis zu 100 Kilo Früchte ernten.

Müssen die Orangen danach noch entgrünt werden, kommen sie zwei bis drei Tag in einen Ausfärberaum bei 20 bis 24 Grad Celsius. Das Reifehormon Ethylen fördert in Form von Gas den Farbumschlag von grün nach orange. Danach sorgt ein Bad mit konservierenden Pflanzenschutzmitteln für Fäulnisschutz. Nach dem Bad eignen sich die Schalen nicht mehr zum Verzehr. Manchmal wird auch das Packpapier für den Transport mit Antischimmelmitteln imprägniert. Da durch das maschinelle Waschen die natürliche Wachsschicht der Schalen, die die Früchte vor dem Austrocknen schützt, entfernt wurde, erhalten sie danach eine Neue. Sie verleiht den Früchten einen stärkeren Glanz und eine intensivere Farbe. Schließlich werden die Orangen kistenweise verpackt und beginnen ihre Reise nach Europa. Meist mit dem Schiff oder in der Luft unterwegs landen sie dann schließlich im Supermarkt und wir können sie kaufen.

Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Orangen und produzierte 2013 17.550 Tonnen.

Exotisches Obst, kein Energiesparer

Bei diesem langen Weg liegt es auf der Hand: Eine herkömmliche Orange braucht nicht nur viel Wasser, Sonne und Pflanzenschutzmittel zum Wachsen, auch bei der Weiterproduktion und dem Transport braucht man viel Energie, damit die Orange unbeschadet in Deutschland ankommt. Mit Energiesparen hat der Kauf einer Orange also wenig zu tun.

Trotzdem kann man darauf achten, beim Kauf von exotischem Obst seinen ökologischen Fußabdruck zumindest ein bisschen zu verbessern. Bei Bio-Obst ist der Einsatz chemischer Mittel verboten. Dadurch ist nicht nur das Obst gesünder für uns. Beim Einsatz von Schadstoffen leiden sowohl die Menschen vor Ort als auch die Umwelt. Durch den bewussten Kauf von unbehandelten Früchten, kann jeder der Umwelt etwas Gutes tun. Denn natürlich werden wir auch weiterhin Orangen und andere exotische Früchte bei uns zu jeder Jahreszeit kaufen können. Allerdings sollten wir uns immer bewusst sein, dass wir damit einen großen Luxus haben. Ideal für die Umwelt wäre es deswegen, mehr regional und saisonal zu kaufen. Schaut doch einfach mal beim nächsten Einkauf, wo das Obst und Gemüse überall herkommt.

Bereits im Sommer 1661 kam der britische König Karl II. in den Genuss einer importierten Ananas.

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