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RFID – Gefährlich oder nützlich?

Mit kaum einer anderen Technologie wird so viel Negatives assoziiert, als mit der von RFID. Das Schlagwort hierbei: totale Überwachung. Dabei hat RFID sehr viel Potenzial und beeinflusst unser tägliches Leben jetzt schon mehr als wir vielleicht vermuten. Auch in Produktionsstätten wird diese Technologie vermehrt eingesetzt. Auf der diesjährigen SPS IPC Drives Messe in Nürnberg gab es einige neue Innovationen in diesem Bereich zu bestaunen.

Radio-frequency identification (RFID), was so viel bedeutet wie Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen, ist eine Technologie, die bereits in vielen Anwendungen unseres täglichen Lebens eine Rolle spielt. Ein RFID System besteht eigentlich nur aus zwei Bauteilen. Einem kleinen Chip um den eine Antenne verbaut ist (Tag), sowie ein Lesegerät. Auf dem Tag können Informationen gespeichert werden. Einfachstes Beispiel: ein Name. Ein Lesegerät sendet Radiowellen aus, die den Tag anregen und mit Energie versorgen. Es entsteht ein elektromagnetisches Feld im Tag. Dieser antwortet und schickt seine gespeicherten Informationen, in diesem Fall einen Namen, an das Lesegerät. Dies geschieht, in dem der Tag das erzeugte elektromagnetische Feld schwächt bzw. beeinflusst. Es wird eine unverwechselbare Seriennummer ausgesendet, dass das Lesegerät empfängt und die Informationen anschließend anzeigt.

Anwendung in Produktionsabläufen

Auf der SPS IPC Drives 2015 stand der Begriff Industrie 4.0 im Vordergrund – also die vernetzte, durchgehend digitalisierte Produktion. RFID sei dabei für Industrie 4.0 „ein ganz starkes Thema“, sagte Herr Wieseler, Leiter des Produktionsmanagment für RFID-Systeme der Hans Turck GmbH. Diese entwickelt RFID-Systeme für jede Produktgruppe. Diese Systeme tragen dazu bei, dass Produktionsabläufe reibungsloser ablaufen. Ein RFID Tag kann anzeigen wo ein Produkt herkommt und wo es hin muss. Liest ein Lesegerät diese Informationen aus, können z.B. Förderbänder so gesteuert werden, dass das Produkt genau dort hinkommt wo es auch soll. Im Portfolio hat die Turck GmbH UHF und HF Produkte. Diese unterscheiden sich in der Frequenz in der Tag und Lesegerät kommunizieren. UHF Systeme laufen unter einer höheren Frequenz als HF Systeme, dies ermöglicht, dass mehr Informationen gespeichert und ausgelesen werden können. Die Technik von RFID ist nicht neu. Bereits nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Technologie im Militär eingesetzt. Trotzdem entwickelt sich RFID ständig weiter. Grund dafür ist, laut Herrn Wieseler, dass die Vorteile dieser Technik gesehen werden und Leute ihre eigenen Ideen mit hinein bringen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die gespeicherten Informationen sind eindeutig und unmissverständlich, ebenso kann ein RFID Tag auch noch gescannt werden, wenn eine Barriere zwischen Chip und Lesegerät vorliegt. Beispielsweiße der Tag befindet sich in einem Karton.

Ebenso war ein Forschungsinstitut auf der SPS IPC Drives 2015 vertreten, welches ein System für die Medizintechnik vorstellte. Für Patienten die aufgrund von Krankheiten einen erhöhten Gehirndruck aufweisen, kann mit Hilfe eines RFID Systems geholfen werden. Ein Bauteil, in dem der RFID Tag steckt, wird in den Kopf eingepflanzt. Mittels eines Lesegerätes kann der Arzt nun jederzeit den Druck messen und so weitere Schritte zur Behandlung des Patienten einleiten. Es gibt also durchaus viele sinnvolle Anwendungen für RFID.

RFID im täglichen Leben

Doch auch für ganz normale Verbraucher ist RFID im Alltag allgegenwärtig. Egal ob auf EC- oder Kreditkarten, Pässen oder Etiketten, RFID ist überall. Für den Konsumenten ist es auf den ersten Blick sehr praktisch. Mittels dem RFID Tag auf der EC-Karte, kann der Kunde bargeldlos einkaufen. Einfach die Karte auf das Lesegerät, PIN eingeben und schon ist das Produkt bezahlt. Ganz bequem. Doch es gibt auch berechtigte Kritik. Die Kaufhauskette Metro beispielsweise führte in ihren sogenannten Future Stores, also moderne Einkaufsläden, ein besonderes RFID System ein. Ist man in so einem Shop Erstkunde, wird eine spezielle Karte angefertigt, auf der sämtliche Informationen der Person gespeichert sind. Ohne diese Karte ist ein Einkauf nicht möglich. Jedes Produkt im Future Store besitzt ein Tag, der Einkaufswagen ein Lesegerät. Auf einem Display, der auf den Einkaufswagen verbaut ist, sieht man seinen gesamten Einkauf. Das Lesegerät scannt das Produkt. Ein Zentralrechner weiß dann ganz genau wann er Produkte nachbestellen muss oder ob bereits etwas fehlt. Auf den ersten Blick sehr praktisch, weitet man diese Idee aber auf alle Einkäufe aus, also nicht nur im Lebensmittelbereich, können die so über Jahre gesammelten Informationen ein genaues Profil über uns selbst erstellen. Der Konsument hat also keine Kontrolle mehr über seine eigenen Informationen. Die Sorge  vor erhöhter Überwachung ist also durchaus berechtigt.

Die Möglichkeiten für RFID sind also gewaltig und vielschichtig. Die Technologie wird sich in den nächsten Jahren noch mehr etablieren. In welche Richtung allerdings wird sich erst noch zeigen.

Über den Autor

Matthias Mueller

Matthias Mueller

Für Technik konnte ich mich schon immer begeistern. Als gelernter Elektroniker habe ich daher auch schon beruflich einige Erfahrungen sammeln können. Zu meinen weiteren Hobbys zählen das verfassen von Texten und Videoproduktionen.
Ebenso interessiere ich mich sehr für Ernährung, was ich auf diesem Blog mit einbringen kann.

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