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Vitamin Water und Energy-Drinks

Vitamin Water – Offenbarung oder Marketingag

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Gesundheitswahn. Alle Jahre wieder hallt dieser Begriff durch die Medien.

Mal geht es um Fischölkapseln, dann wieder um pulverisierte Algen in Kapselform. Vor einem halben Jahr war Gluten in aller Munde und schon kräht kein Hahn mehr danach.

Bionade und Club Mate einst in jedem Getränkeregal, jetzt nur noch in Szeneclubs gut sortierten Getränkemärkten. Doch vor kurzem schwappte ein neuer Hype aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu uns. Vitamin Water. Einfacher und prägnanter Name, schlichtes Design. Selbstverständlich gibt es diese Wunderwasser in 17 verschiedenen Geschmacks- und sagen wir mal Wirkungsrichtungen. Denn die Sorten unterscheiden sich auch im Vitamin- und Nährstoffgehalt. So gibt es für jede Gemütslage die richtige Pulle. Müde? „Energy“! Nicht aufmerksam genug? “Focus“! schwaches Immunsystem? „Defense“! Es gibt natürlich auch eine Art Aphrodisiakum, welches auf den geheimnisvollen Namen „xxx“ hört. Ja sogar der Rapper „50 Cent“ hat seit kurzem seine eigene Geschmacksrichtung.

Die 0,5 Liter PET-Fläschchen sind durchsichtig und mit einem zweifarbigen Etikett ausgestattet.

Auf der Vorderseite des Etiketts ist ein kurzer, peppiger Werbetext abgedruckt, und fairer Weise, auf der Rückseite die Nährwertangaben. Vitamin A, B3, B6, B12, E und dann natürlich noch Zucker und wer hätte es gedacht? – Wasser. Ebenfalls haben es in die Flasche geschafft: Die fast natürlichen und fast gesunden Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Konservierungsstoffe. Habe ich etwas vergessen? Genau, Elektrolyte sind auch noch drin, ganz wichtig. Der Halbe Liter Wasser kostet so nur ca. 2€ – wenn das kein Sagenhafter Preis für die eigene Gesundheit ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Ich selbst habe mich dem investigativen Journalismus hingegeben und auf eigene Faust zwei Flaschen besorgt. „Power-C“ und „Focus“.

In „Power-C“, wie es der Name vermuten lässt, war Vitamin C enthalten und zwar 150% vom Tagesbedarf – Boah! Ich fühle mich schon vom bloßen lesen Fitter! Zink und Taurin waren auch mit von der Partie. Und dann die Überraschung. Chrom. In Europa noch nicht so weit verbreitet aber angeblich in den USA als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Vormarsch. Da sieht man mal wie rückständig wir hier doch sind. Geschmacklich war ich angenehm überrascht, allerdings hat es mehr nach Saft oder Eistee geschmeckt, als nach Wasser. Irgendwelche Effekte? Nada.

Focus“ – mmmmh Kiwi-Erdbeere. Pappsüß, wieder die selben B-Vitamine, auch Vitamin-C, statt Zink, Chrom und Taurin gab es jetzt Vitamin A. Geschmacklich auch gut, aber langsam machte sich ein Verdacht in mir breit. Nach weiteren Recherchen, habe ich herausgefunden, dass tatsächlich nur ein Inhaltsstoff pro Geschmacksrichtung variiert. Wir wollen natürlich fair bleiben: Der Vitamin C Gehalt schwankt auch zwischen 50% und 150% des Tagesbedarfs. Mal völlig davon abgesehen, dass ein Körper diese Menge auf einen Schlag nicht verwerten kann.

Mein Anfangsverdacht scheint sich bestätigt zu haben. Mal wieder ein Marketingag.


Natürlich beruhen meine Schilderungen auf meinen persönlichen Erfahrungen mit dem „nutrient enhanced water beverage“ (mit „Nährstoffen angereichtes Wasser Getränk“), gerne lasse ich mich eines Besseren belehren.

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Die Mär vom gesunden Energy-Drink

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Die Prüfungszeit an deutschen Universitäten und Hochschulen naht und somit steigt der Druck, der auf den Studierenden lastet. Ein Projekt jagt das Andere, die Nächte werden länger. Viele der jungen Studenten versuchen sich mit Hilfe von Energy-Drinks aufzuputschen um nach Nächten mit wenig Schlaf aufmerksamer in den Vorlesungen, oder einfach nur um wacher zu sein. Doch wie effektiv sind diese Getränke? Wirkt die Kombination aus teils dubiosen Zutaten die Wunder, die in den Werbungen versprochen werden, oder würde eine Tasse Kaffe ausreichen?

Red Bull war ursprünglich ein leistungssteigerndes Getränk aus Thailand. Der spätere Red Bull, Erfinder, oder viel mehr Gründer, kaufte das Unternehmen, änderte die Rezeptur (da diese In der Originalzusammenstellung in Europa nicht zulässig war) und brachte es 1987 auf den Markt.

Produziert wurde es in Österreich und war im Rest Europas illegal. Es entstand ein regelrechter Schmuggel und somit auch ein Hype um die Marke „Red Bull“, da die viele etwas anrüchiges mit dem neuen Getränk in Verbindung brachten.

Innerhalb kürzester Zeit avancierte das Unternehmen zu einem Marketing-Giganten. Der Konzern war allgegenwärtig.

Durch aggressive Vermarktung auf vielen Plattformen (Internet, Sponsoren, Ferhnsehen), hämmerte der Konzern der Weltbevölkerung seine neue Art der Softdrinks ins Bewusstsein.

Mittlerweile gibt es ein schier unendliches Spektrum an Wachmachern in Dosen. Jeder Discounter hat eine Eigenmarke; Namen wie Rockstar, Relentless Energy und Monster Energy sind fast allen Personen in der Zielgruppe (Jugendliche und junge Erwachsene) ein Begriff – unabhängig davon, ob Sie sie Selbst konsumiert oder nicht.

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Die Werbungen und Verpackungen suggerieren ganz klar: „Trink mich und ich mach‘ dich fit!“

Bunte Farben, Muster und Slogans versuchen sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Hauptbestandteile sind bei allen jedoch die selben. Wasser, Zucker, Koffein und Taurin.

Die Wirkungsweise von Koffein ist simpel aber genial. Bei Anstrengung schüttet unser Körper Adenosin aus. Seine Funktion ist es, das Gehirn vor Überarbeitung zu schützen. Es reguliert beispielsweise die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin – Stoffe die uns wach halten.

Wird die Produktion dieser Stoffe gesenkt, werden wir müde. Koffein aber besetzt die Adenosin Rezeptoren, sodass das Gehirn nicht die entsprechenden Signale zum ermüden erhält. Viele Kaffetrinker berichten eine Aufhellung ihrer Stimmung, allerdings wird eine Theorie bei Wissenschaftlern immer beliebter, die besagt, dass es sich bei dieser Stimulation um die Beseitigung der Entzugssymptome handelt.

Taurin hingegen ist ein Zusatz, welcher vor allem Sportler ansprechen soll. Die Aminosäure verbessert die Nährstoffabsorption der Muskeln, um deren Leistung zu verbessern. Höher, stärker, schneller. So weit die Theorie. Eine tatsächliche positive Auswirkung wurde jedoch nie ausreichend belegt.

Doch neben den Klassikern ( Wasser, Zucker, Koffein und Taurin) gibt es auch eher exotische Produkte. Phrasen auf der Verpackungen wie „Re-Hab“ und Zusätze wie Ginseng, Guarana (beide weisen ähnlichen Effekt wie Koffein auf) oder Carnitin sollen dem Gesundheitsbewussten potenziellen Kunden vorgaukeln, dass man bei dem Konsum keinerlei gesundheitliche Bedenken haben muss. Ist ja schließlich Guarana – pflanzlich, also unbedenklich und ausserdem hilfts der Regeneration nach körperlichen Anstrengungen. Rechnet man aber die Zutaten durch, so fällt einem schnell auf, dass die groß beworbenen Substanzen nur in minimalen Mengen enthalten sind. Wie sich letztendlich 0,01 Gramm Guarana auf meinen Körper auswirken sollen, ist mir jedoch unklar. Carnitin, ist vielen Sportlern ein Begriff, da es in der Szene als wirksamer Fatburner gehandelt wird. Will man eine positive Auswirkung erreichen, so fallen auch hier die obligatorischen 0,2 Gramm pro 0,5 Liter eher weniger ins Gewicht.

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Selbstverständlich werden den Präparaten auch noch eine Menge synthetisch hergestellte Vitamine beigemischt. Die gängigsten sind aber Vitamin B6 und Vitamin B12. Wie sehr sich diese aber auf den Verbraucher auswirken ist auch nicht ausreichend erforscht. Ein Problem hier ist die stark schwankende Verträglichkeit bei der Bevölkerung. Die restliche Inhaltsliste liest sich für gewöhnlich wie das who-is-who der Konservierungs- und Farbstoffe.

Das größte Risiko ist aber der erhöhte Koffeingehalt, auf den nicht umsonst Hingewiesen werden muss. Da das zugeführte Koffein zur erhöhten Dopamin- und Adrenalinausschüttung führt, wird das Herz-Kreislauf-System stark belastet. Also ist vom regelmäßigem Genuss von Energy-Drinks stark abzuraten. Es sind mehrere Fälle bekannt, bei denen Jugendliche an Herzversagen verstarben, nachdem sie mehrere Dosen tranken (Koffeinvergiftung). So ist ein 14 Jähriges Mädchen in den USA nach dem Genuss von zwei Dosen Monster Energy verstorben.

Für einen regelmäßigen Gebrauch sind Energy-Drinks definitiv nicht geeignet.

Wer also seinen Körper schonen will, sollte sich nach weniger schädlichen Alternativen umsehen.

Tein, enthalten in den meisten Teesorten, hat den selben Effekt wie sein Bruder aus der Kaffebohne, allerdings ist er wesentlich bekömmlicher. Eine weitere Option ist der Mate-Tee, bekannt aus Südamerika. Er enthält ebenfalls viel, aber sehr gut verträgliches Tein und ist Außerdem auch als fertiges Getränk erhältlich. Leider bildet der menschliche Körper schnell Toleranzen gegen diese „Gifte“. Deshalb verliert alles mit andauerndem Konsum an Wirkung

Alternativ ist der Mittagsschlaf zu empfehlen. Ein 20 minütiger „Powernap“ soll eine deutlich bessere Wirkung als eine Tasse Kaffe haben. Allerdings sind Nickerchen und Vorlesungen nur schwer zu vereinbaren.

Tim Zychacek

 

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