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Wie entsteht eine PET-Flasche?

Ob Wasser, Softdrinks oder Bier: Mittlerweile wird ein Großteil aller Getränke in PET-Flaschen abgefüllt. Diese sind deutlich leichter als Glas und kaum zerbrechlich. Die Flaschenhersteller versuchen weiter an Gewicht zu sparen.

Bunt und glänzend stehen sie in den Regalen – die PET-Flaschen. Ob als Getränkeverpackung, oder auch als Shampoo- oder Spülmittelflasche, PET setzt sich immer weiter durch. 2002 hatten Ein- und Mehrwegflaschen aus PET laut dem Marktforschungsinstitut GfK einen Marktanteil von vierzig Prozent bei den alkoholfreien Getränken. Heute ist der Marktanteil doppelt so groß.

PET ist übrigens die Kurzform eines wahren Zungenbrechers: Polyethylenterephthalat heißt der Stoff. Er gehört zur Familie der Polyester. Die Flaschen sind nicht sein einziger Einsatzbereich. Er begegnet uns auch als Folie oder Textilfaser, zum Beispiel in Sicherheitsgurten und Teppichen. Um eine PET-Flasche herzustellen, braucht man erst einmal den Rohstoff. Knapp 2 Liter Erdöl ergeben ein Kilo PET.

Das reicht für 15 Mehrweg-Flaschen mit einem Liter Fassungsvermögen. Durch mehrere chemische Reaktionen entsteht aus dem Erdöl eine zähflüssige PET-Schmelze, die in dünne Stangen gepresst und zu Granulat geschnitten wird. Die matten weißen Kügelchen sind die Grundlage für die PET-Flaschen, die einmal bunt und glänzend oder transparent und zurückhaltend im Laden stehen werden.

Die Entstehung der „Preform“

Die eigentliche Flasche entsteht in zwei Schritten. Der erste ist die Herstellung des Rohlings, der sogenannten „Preform“. Eine Maschine erwärmt das Granulat auf 275 Grad; wenn gewünscht, kommen Farbpigmente mit dazu. Die relativ dünnflüssige Schmelze wird nun in eine Form gegossen, die aussieht wie ein Rohr mit rundem Ende.

Dann darf der Rohling abkühlen. Von seiner jetzigen Form bleibt ihm später nur das Gewinde. „Die Preform herzustellen ist das teuerste am ganzen Prozess“, erklärt Waldemar Schmitke von der Zeitschrift PETplanet. „Die Rohstoffe und der Guss der Preform machen neunzig Prozent vom Gesamtpreis der Flasche aus.“

Beim zehnfachen Reifendruck

Der nächste Schritt, nämlich das Streckblasverfahren, geschieht meist beim Abfüller. Viele Getränkebetriebe haben mittlerweile ihre eigene Streckblasmaschine. Das hat einige Vorteile, denn die Preforms sind deutlich kleiner als fertige PET-Flaschen und lassen sich leichter zum Abfüller transportieren.

In der Streckblasmaschine werden die Rohlinge noch einmal erwärmt, diesmal auf etwa hundert Grad. Nun fährt ein sogenannter Innendorn in die Form. Er streckt die Preform in die Länge. Druckluft mit 25 bis 30 bar dehnt die Flasche in die Breite – das ist ungefähr das Zehnfache eines Autoreifendrucks. Nach einer kurzen Auskühlzeit öffnet sich das Formwerkzeug und wirft die fertige Flasche aus. Nun fehlen nur noch Etikett und Deckel.

Flaschen auf Diät

Dass PET-Flaschen immer häufiger im Supermarkt stehen, hat mit dem geringen Gewicht zu tun. Eine 1,5-Liter-Einwegflasche für Mineralwasser wiegt rund dreißig Gramm. Eine Glasflasche in der Größe lässt sich kaum finden – sie wäre einfach zu schwer. Eine Glasflasche mit einem Liter Fassungsvermögen wiegt allein schon 600 Gramm. Der Kasten PET-Flaschen lässt sich also leichter nach Hause tragen.

Aber der Kundenkomfort ist nicht der Hauptgrund, weshalb die Preform-Hersteller die Flaschen leichter machen wollen. Ihnen geht es vor allem ums Geld. „Das Material ist wahnsinnig teuer“, meint Schmitke. „1200 Euro zahlt man für die Tonne. Auch wenn man pro Flasche nur ein halbes Gramm einspart, lohnt sich das.“ Die Hersteller überbieten sich deshalb mit immer dünneren und leichteren Flaschen. Auch die Gewinde werden kürzer und kleiner. Um die 10 Gramm wiegen die leichtesten 0,5-Liter-Flaschen am Markt.

Viel leichter werden die Flaschen nicht mehr, schätzt Schmitke. „Rein vom PET her könnte man die Wände zwar so dünn machen, dass man statt einer festen Flasche eine Art Trinkschlauch in der Hand hält. Aber wer würde so etwas kaufen?“ Auch könne man das Gewinde nicht beliebig kürzen. „Die zwei Umdrehungen beim Öffnen sind wichtig für den Druckausgleich. Man kennt das zum Beispiel vom Schütteln von kohlensäurehaltigen Getränken. Kann man den Druck nicht langsam ablassen, spritzt einem alles entgegen.“

 von Simone Danne

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