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BIST DU SCHON VEGAN?

Der Veganuary – ein veganer Start ins neue Jahr. Im Rahmen der Kampagne, deren Name sich aus den englischen Begriffen January und Vegan zusammensetzt, werden Menschen von Organisationen und Unternehmen aufgefordert, auf Tierprodukte zu verzichten. Anlässlich des Veganuary soll aufgeklärt werden, was es bedeutet, sich vegan zu ernähren und wie der Begriff ‘Venagismus’ genau definiert wird.

Ein Gastbeitrag von Julia Baran, Julia Hildenbrandt und Benno Barth

Der Beitrag ist im Rahmen der Wissenschaftswoche in Kooperation zwischen dem Gymnasium Stein und dem Studiengang Technikjournalismus/Technik-PR entstanden.

Waren die Menschen früher auch schon vegan?

Wer an Veganismus denkt, stellt sich dabei oftmals eine Bewegung aus der eher jüngeren Generation im Hier und Jetzt vor, welche den veganen Lebensstil als Trend sehen und leben. Allerdings sind im Verlauf der Geschichte auch bereits deutlich früher Kulturgruppen entstanden, die bereits damals auf den Konsum tierischer Lebensmittel verzichtet haben.

Als eines der bekanntesten Beispiele gilt hierbei der Mathematiker Pythagoras. Seine Aussage „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück“ verdeutlicht den damaligen Bezug (ca. 570 – 510 v. Chr.) zwischen Fleischverzehr und Religion, welcher z.B. durch Tieropfer ausgeführt wird. Menschen, die das Gedankengut Pythagoras teilten, wurden „Pythagoreer“ genannt: ein Vorgängerbegriff von „Vegetarier“. Ein weiteres Beispiel sind die griechischen Orphiker. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe, die den Verzehr von Fleisch aus religiös-philosophischen Gründen ablehnte.

Ein genauerer Blick lohnt sich auf das 19. Jahrhundert. Denn die Gründung der Vegetarian Society 1847 in London ist dabei ein eindeutiger Vorreiter. Zusätzlich gründete sich die Vegan Society im Jahr 1944 aus der Vegetarian Society aus.

Der aktuell verwendete Begriff „Vegetarismus“ stammt vom lateinischen „vegetare“, was “beleben, gesund erhalten, leben, grünen” bedeutet. „Veganismus“ wurde damals vom Gründer der Vegan Society geprägt, welcher ihn durch eine Kürzung im Wort „Veg-etari-an“ abgeleitete. Das Motiv hinter Vegetarismus/Veganismus hat sich im Laufe der Zeit stark verändert und hat kaum noch etwas mit Religion zu tun. Vielmehr steht heutzutage für die Gesellschaft das Tierwohl im Vordergrund.

Die Facetten von veganer Ernährung

Bevor man seine Ernährung umstellt, lohnt es sich, die Facetten der veganen Ernährung genauer zu betrachten. Positiv ist zu nennen, dass die Umstellung einen bewussteren Konsum mit sich bringt. Bei der veganen Ernährung achtet man verstärkt auf die Produkte, die man konsumiert und befasst sich somit auch mehr mit dem eigenen Konsumverhalten. 

Oftmals können Personen durch eine Umstellung der Ernährung gesundheitliche Vorteile, wie eine verbesserte Verdauung und besseren Schlaf, feststellen. Der wahrscheinlich wichtigste positive Aspekt ist, dass das Risiko für Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes, Alzheimer auf jeden Fall gesenkt wird. 

Die vegane Ernährung wird allerdings nicht jedem empfohlen, manchen Personengruppen sogar eher abgeraten. Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, auch Jugendliche sollten sich nicht radikal vegan ernähren, so die DGE. Bei diesen Personengruppen kann es zum Nährstoffmangel kommen.

Foto: Benno Barth

Vorurteile und Mythen

Über den Veganismus kursieren noch immer zahlreiche Mythen und Vorurteile:

“Vegane Ernährung ist nicht gesund”

Beginnen wir mit dem wohl am häufigst genannten Vorurteil: Rein pflanzliche Ernährung sei nicht gesund. Laut einer Studie des National Cancer Institute in Bethesda (USA) ändern Veganer:innen nur deren Auswahl der Nährstoffquellen. Das heißt, wenn Veganer:innen auf ihre Nährstoffzufuhr achten, können sie sich durch die in Pflanzen enthaltenen unterschiedlichen Ballaststoffe und Vitamine abwechslungsreich und gesund ernähren.

“Nährstoffe sind nicht ersetzbar”

Ein weiteres Vorurteil ist, dass Personen mit rein pflanzlicher Ernährung, die Nährstoffe, die in tierischen Produkten enthalten sind, nicht ersetzen können. Auch dies kann widerlegt werden. Veganer:innen sind sogar meist besser mit Nährstoffen wie Beta-Carotin, Vitamin C oder Folsäure versorgt, als Personen, die Fleisch konsumieren.

 Vitamin B12: Fluch oder Segen?

Vitamin B12 ist ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, insbesondere für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Das sogenannte “Cobalamin” ist im Körper an verschiedenen chemischen Reaktionen von der DNA-Synthese über die Zellteilung bis hin zur Bildung roter Blutkörperchen und der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems beteiligt. Das Dilemma liegt jedoch darin, dass Vitamin B12 hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Dies stellt Vegetarier und Veganer vor die Herausforderung, ihren Bedarf an diesem wichtigen Nährstoff zu decken. Denn ein Mangel an Cobalamin kann zu gesundheitlichen Problemen, wie beispielsweise Konzentrationsstörungen oder Müdigkeit, führen. Diese treten oft erst nach Jahren auf. Ein Überschuss an Vitamin B12 ist hingegen eigentlich nicht möglich, da der Körper nur so viel des Vitamins, wie er benötigt, über die Darmwand aufnimmt und den Rest über den Urin ausscheidet.

Wie nachhaltig ist eine pflanzliche Ernährung?

Die Entscheidung für eine vegane Ernährung wird oft als nachhaltige Alternative betrachtet. Doch ist Veganismus wirklich die optimale Lösung für Umwelt und Gesundheit? Treibhausgase in der Nutztierhaltung, wie beispielsweise der Methanausstoß von Kühen, können durch eine pflanzliche Ernährung durchaus minimiert werden.

Trotz der Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen und den damit verbundenen positiven Auswirkungen auf das Klima birgt der Veganismus auch ökologische Herausforderungen. Neben den importierten Lebensmitteln, wie Avocados, Mangos und Soja, und den damit verbundenen Emissionen benötigen auch eine Menge heimische Gemüsesorten viel Wasser.  Eine vollständig vegane Ernährung für die gesamte Weltbevölkerung würde daher erhebliche Anpassungen in der landwirtschaftlichen Praxis erfordern und möglicherweise zu Wasserknappheit in trockenen Regionen führen. Zudem kommen ebenfalls sozioökonomische Auswirkungen. Die intensive Tierhaltung ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für viele Bauern und deren Einkommen. Ein plötzlicher Übergang zum Veganismus könnte daher weitreichende Folgen für die Landwirtschaft und die Wirtschaft insgesamt haben.

Der Veganismus kann zwar positive Effekte auf Umwelt und Tierwohl haben, ist aber mit komplexen ökologischen und sozioökonomischen Herausforderungen verbunden. Eine nachhaltige und gesunde Ernährung erfordert daher ein bedachtes Abwägen verschiedener Faktoren und möglicher Kompromisse.

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