4. Mai 2026
Mehr als nur Hardware: Wie Extra Computer die Industrie auf dem Weg zur digitalen Zukunft unterstützt
Flexibel, robust, nachhaltig sein und gleichzeitig den wechselnden Anforderungen der Industrie entsprechen: Ein deutscher Hersteller, der diese Entwicklung mitgestaltet, ist die EXTRA Computer GmbH. Das Unternehmen baut maßgeschneiderte IT-Systeme und Komplettlösungen – von PCs über Server bis hin zu Industriehardware. Auf der diesjährigen Automatisierungsmesse SPS in Nürnberg hat Karina Preiß mit Frank Bollen, Leiter Brand & Concepts im Marketing der Thomas-Krenn AG und Michael Dannemann, Teamleiter im Vertrieb der EXTRA Computer GmbH über den Wandel industrieller IT und momentane Herausforderungen gesprochen.

Die Industrie befindet sich mitten in einer Phase rasanter Digitalisierung. Welche Rolle möchten Sie mit Ihren Hardwarelösungen in diesem Wandel einnehmen?
Frank Bollen: Wir als EXTRA Computer stellen IT-Hardware für die produzierende Industrie her. Unser Motherboard, also die Hauptplatine, die alle Computerteile miteinander verbindet und viele der Komponenten sind in Deutschland produziert. Das ist unsere zentrale Rolle: Hardwareherstellung in Deutschland.
Ihre Industrie-PCs und Lösungen für dezentrale Datenverarbeitung gelten als sehr robust. Was genau bedeutet das?
Frank Bollen: Robustheit heißt Hochverfügbarkeit und Laufzeit rund um die Uhr. Robustheit heißt auch, dass wir einen guten und schnellen Service mit kurzen Lieferzeiten bieten können. Die Geräte selbst, auch ohne internen Lüfter, haben zusätzlich keine Staubaffinität. Es geht also gar nicht unbedingt um Robustheit in dem Sinn, dass ein Gerät runterfallen kann, sondern dass es in einem industriellen Betrieb generelle Sicherheit bieten kann.
Wenn Robustheit ein so zentraler Faktor ist, spielt natürlich auch Sicherheit eine Rolle. Wie adressieren Sie das Thema Cyber Security?
Frank Bollen: Security fängt schon in der Produktionskette an. In einem gelöteten Motherboard könnten gefährliche Programme in kleinen Chipkomponenten integriert sein. Deshalb haben wir unsere Geräte mit Motherboards aus Deutschland bestückt. Das gibt einfach die Sicherheit, dass in der Lieferkette nichts eingebaut werden kann, was beim Kunden zu Unsicherheiten führt. Damit ist die Sicherheit allein schon bei der Hardware gegeben. Wir nutzen oftmals ein linuxbasiertes Operating System aus Deutschland. Unser Betriebssystem ist zentralisiert aufgebaut, das heißt: Der Hauptbestandteil der Software wird nicht lokal auf dem Endgerät installiert, sondern zentral bereitgestellt. Software und Daten werden an einem zentralen Ort gebündelt, was ein deutlich höheres Sicherheitsniveau ermöglicht. Gleichzeitig reduziert dieses Konzept die Anforderungen an die Endgeräte, da pro Device weniger Rechenleistung benötigt wird. Das Resultat sind eine effizientere Verwaltung, höhere Sicherheitsstandards und längere Lebenszyklen der Hardware.
Wo werden Ihre Systeme in der Praxis genau genutzt?
Michael Dannemann: Wir arbeiten beispielsweise mit großen Automobilherstellern zusammen und statten ganze Produktionsstraßen mit unseren PCs aus – zur Steuerung von Displayanzeigen oder in der Logistik als Bildausgabemedium.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Hardwareproduktion?
Frank Bollen: Nachhaltigkeit ergibt sich schon allein aus den Transportwegen. Von Augsburg nach Sachsenhausen zu transportieren, braucht weniger Ressourcen. Zudem sind unsere Verpackungen mindestens 80 % recyceltes Material. Oft ist es auch so, dass man an einem alten Gerät einfach nur einzelne Komponenten austauschen muss…
Michael Dannemann: Oder den Speicher erweitern muss. Die Grundkomponente bleibt bestehen. Unsere Geräte haben einen Lebenszyklus im Industriebetrieb von fünf bis sieben Jahren, teilweise sogar zehn Jahre. Das ist grundlegend nachhaltig, weil das Gerät nicht so schnell ausgetauscht werden muss.
Nachdem Sie auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit eingegangen sind, interessiert natürlich auch die Produktlandschaft: Wie unterscheiden sich ihre Produktlinien Calmo und Pokini voneinander? Für welche Branchen sind sie jeweils optimiert?
Frank Bollen: Die Unterscheidung ist recht simpel, sie liegt im Anwendungsfall. Pokini ist eher im Outdoor-Bereich zu finden, auf Baustellen oder im Lager. Das sind Geräte, die nochmal viel mehr Schutz brauchen als unsere Calmo-Geräte, die beispielsweise Einsatz in Fertigungs- und Produktionsumgebungen finden.
Michael Dannemann: Calmo ist sehr modular, sehr sonderlösungsbasiert. Pokini-Geräte sind Embedded-Systeme – klein und robust, aber nicht so flexibel wie Calmo. Und ein wesentlicher Unterschied: Calmo ist alles made in Germany, Pokini ist made in Europe.
Inwiefern wirken sich globale Engpässe – insbesondere die anhaltende Speicherkrise – auf die Produktion aus?
Frank Bollen: Doch wir merken natürlich, was sich gerade in der Preisbildung tut. Vor allem, was RAM-Speicher angeht, also DDR4 und DDR5. Aber durch unsere Ausrichtung haben wir sehr viele Komponenten auf Lager. Damit sind wir flexibel, selbstverständlich nicht komplett krisenbefreit. Dennoch ist unsere Situation gut und wir können liefern.
Welche Trends sehen Sie aktuell in der industriellen Computertechnik? Was kommt in Zukunft auf die Hardwarebranche im Industriebereich zu?
Michael Dannemann: Ein Trend ist, dass vieles in den kompakten Bereich geht. Das bedeutet, dass Rechenleistungen auf zentrale Server ausgelagert werden und dadurch die Endgeräte deutlich kleiner sein können. Gleichzeitig wächst aber der Bedarf an Grafikleistung und KI, wo man größere und leistungsstarke Computer braucht. Die Mittelschicht verschwindet also im Moment.