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Tierersatzprodukte im Boom

Immer mehr Lebensmittelproduzenten setzen auf pflanzliche Tierersatzprodukte. Das zeigt eine von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) in Auftrag gegebene Studie zu Nachhaltigkeitstrends in der der Ernährungsindustrie. Doch wer kauft diese Produkte eigentlich?

Was aufmerksam Beobachtenden beim Blick in die Supermarktregale bereits seit längerem auffällt, beweist nun auch die Statistik: In deutschen Lebensmittelgeschäften gibt es immer mehr neue Tierersatzprodukte zu kaufen – wie zum Beispiel fleischlose Wurst oder veganen Käse. Bei Produkten, die Lebensmittel aus Fleisch ersetzen sollen, lag das durchschnittliche jährliche Wachstum der Markteinführungen zwischen 2017 und 2020 bei etwa 8 Prozent. Noch deutlicher äußerte sich die Entwicklung bei den Markteinführungen von Milchprodukten, wie Joghurt, Käse oder pflanzlichen Milch-Alternativen. Alle drei Kategorien verzeichneten ein Wachstum von mehr als 16 Prozent zwischen 2016 und 2020. Währenddessen wurden in dem Zeitraum sogar 5,5 Prozent weniger Produkte aus „echtem“ Joghurt eingeführt. Und auch die hergestellte Masse an Tierersatz-Nahrungsmitteln stieg: Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes produzierten deutsche Unternehmen im Jahr 2020 etwa 83,7 Tausend Tonnen Fleischersatzprodukte – knapp 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

Anteil an Veganer:innen unverändert

Das Angebot an Ersatzprodukten wird also größer. Doch der Anteil an Vegetarier:innen und Veganer:innen in der deutschen Bevölkerung bleibt laut dem Lebensmittelreport 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unverändert – bei etwa fünf und einem Prozent. Woher kommt also die offenbar gestiegene Nachfrage?

Einen Hinweis darauf kann eine Befragung des Marktforschungsinstituts Splendid Research liefern. Bei dieser gaben mehr als die Hälfte der Flexitarier:innen an, Tierersatzprodukte zu kaufen. Flexitarier:innen sind Fleischesser:innen, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten. Sie stellen mit 55 Prozent Anteil in der deutschen Bevölkerung die größte Gruppe. Weiteren Aufschluss gibt der Lebensmittelreport, bei dem drei Viertel der Käufer:innen von Tierersatzprodukten angaben, sich aus Neugier für den Ersatz entschieden zu haben. Themen wie Tierwohl, Klima oder Gesundheit zwar auch als Gründe genannt, jedoch weitaus weniger oft.

Tierersatzprodukte nur ein Trend?

Sind Tierersatzprodukte also vor allem ein hipper Trend, der in ein paar Jahren wieder verschwindet? Ein Trend, bei dem es darum geht, ab und zu etwas Neues ausprobieren? Und dabei durch gelegentlichen Verzicht das eigene Gewissen reinzuwaschen? Das wird die Zukunft zeigen. Experten prognostizieren pflanzlichen Alternativen jedenfalls ein weiteres Wachstum für die nächsten Jahre.

Dabei gibt es in der Bevölkerung gegenüber veganer und vegetarischer Ernährung aber noch (nicht immer begründete) Vorbehalte: Viele stimmen zwar der Aussage zu, der Verzicht auf Fleisch trage zur Lösung von Umweltproblemen bei. Die Deutschen assoziieren aber gleichzeitig hohe Kosten und Vitamin- und Nährstoffmangel mit fleischloser Ernährung. Und schließlich betrug der Wert von in Deutschland produziertem Fleisch- und Fleischerzeugnissen im Jahr 2020 rund 38,6 Milliarden Euro – mehr als das Hundertfache des Wertes der Fleischersatzprodukte.

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Anna Frey

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