Toggle Navigation

CBD: Was hat es mit dem “Allheilmittel” wirklich auf sich?

Der Hype um CBD wächst immer mehr und das Hanfprodukt ist wortwörtlich in aller Munde. Doch wie funktioniert es überhaupt, mit welchen Wirkungen bzw. Nebenwirkungen kann man rechnen, wie sieht eigentlich die Rechtslage in Deutschland aus und kann man die Wirkung unterstützen?

Was ist CBD und wie interagiert es mit unserem Körper?

Die Abkürzung „CBD“ steht für Cannabidiol. Das ist eine chemische Verbindung in der weiblichen Hanfpflanze. Damit ist es eines von rund 100 bereits erforschten Cannabinoiden. Die mit CBD am besten erforschte chemische Verbindung der Hanfpflanze ist THC, welche im Gegensatz zum CBD eine berauschende, psychoaktive Wirkung besitzt.

Beide Stoffe wirken über das menschen-eigene Endocannabinoidsystem (kurz: ECS). Dies ist eines von vielen in unseren Körpern bereits vorkommenden Systemen, das aus Rezeptoren und den entsprechenden Botenstoffen besteht. Genau dieses System übernimmt vielfältige und weitreichende regulatorische Aufgaben.  Die beiden Rezeptoren des ECSs sind CB1 und CB2, welche in fast all unseren Organen, sowie auch in unserem Zentralennervensystem vorhanden sind. Das Cannabinoid kann an Rezeptoren andocken und so mit dem ECS interagieren. Somit unterstützt CBD körpereigene Vorgänge und hilft, den Körper im Gleichgewicht zu halten. Die Calcium Konzentration in Nervenzellen, welche durch CBD reguliert wird, steuert viele Hormonsysteme und die Kommunikation der Zellen miteinander. Zwei der Botenstoffe, welche durch das Cannabinoid beeinflusst werden sind Serotonin und Adenosin.

Geschichte CBD

Die Cannabispflanze wird wohl schon seit Jahrtausenden als Heilmittel in verschiedenen Kulturen benutzt. 1940 gelang es Roger Adam erfolgreich CBD aus der Pflanze zu extrahieren, jedoch beschrieb dieser nicht die chemikalische Zusammensetzung und gilt somit meist nicht als der Entdecker. Erst 24 Jahre später wurde CBD erneut vom israelischen Wissenschaftler Dr. Raphael Mechoulam isoliert und zusätzlich die chemische Zusammensetzung beschrieben. Dies war der Anfang von zahlreichen Tier und Humanforschungen. 2011 wurde das erste CBD Medikament Sativex am deutschen Markt zugelassen.

Wirkungen

Die Wirkungen des CBDs sind weitreichend und vielseitig. Nicht nur positive körperliche Folgen verspricht das Cannabinoid, sondern auch allerlei psychische Beschwerden können damit gelindert werden.

Es kann sein, dass sich nach der Einnahme die Schlafqualität verbessert. Hierzu zählen Einschlafprobleme, sowie auch Durchschlafprobleme. Zum anderen ist das System auch für Appetitregulation zuständig, das Immunsystem und auch die Regulation jeglicher Emotion.

Tier- und Humanstudien berichten von einem generellen gesteigerten Wohlbefinden und einem besseren Umgang mit Angststörungen, Stress und Aggressionen. Cannabinoide werden, wenn man sich entspannt und sicher fühlt, selbst vom Körper hergestellt und ausgeschüttet. Das eingenommene CBD bindet sich an die Rezeptoren und sorgt so für ein wohles Gefühl.

Bei Depressionen verkleinert sich der Hippocampus im Gehirn, welcher für das Gedächtnis, Lernen und Emotionen zuständig ist. Jedoch kann sich dieser wieder erholen, da neuronale Regenerationen möglich sind. CBD kann das Wachstum von Nervenzellen anregen und somit leicht die Stimmung und den Fokus verbessern. Auch der Schutz des Hippocampus und eine generelle Entspannung des Gehirns kann eine regelmäßige Einnahme von CBD zur Folge haben. Die Forschung zeigt auch, dass es bei einem Gefühl von Isolation, posttraumatischen Belastungsstörungen und Psychosen helfen kann.

In der Medizin findet CBD vor allem seinen Platz in der Schmerzbekämpfung und -verarbeitung. Auch entzündungshemmende Wirkungen werden dem Cannabinoid zugesprochen. Ausgiebig erforscht wurde CBD im Hinblick auf die Epilepsie-Formen Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom. Bei diesen beiden schwerbehandelbaren Arten von Epilepsie werden Patienten ab einem Alter von zwei Jahren das Mediament Epidyolex® (Wirkstoff: Cannabidiol) als zusätzliches Medikament in Verbindung mit dem Antiepileptikum Clobazam verschrieben. Studien zeigten klar, dass diese Kombination die Epilepsiebedingten Anfälle signifikant (bis zu 50 %) verringert. In den USA ist Epidyolex® seit 2018 und in der EU seit September 2019 zugelassen.

Nebenwirkungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentliche 2018 einen Bericht, der CBD als „allgemein gut toleriert“ einstuft und „ein gutes Sicherheitsprofil“ aufweist. Auch die Forschung zeigt, dass sich die Nebenwirkungen bei der Einnahme von CBD gering und wenn dann schwach halten. Auch hier können jedoch unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten. Nutzer könnten vor allem unter niedrigem Bluthochdruck, einem trockenen Mund, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Durchfall leiden.

Falls man zusätzlich andere Medikamente einnimmt, sollte man vorher mit einem Arzt klären, ob diese verträglich sind, da CBD gewisse Enzyme im Körper beeinflusst, welche auch bei anderer Medizin eine Rolle spielen und somit gegebenenfalls Wechselwirkungen auftreten können.

Auch schwangeren Frauen wird empfohlen, auf CBD zu verzichten. Es besteht der Verdacht, dass sich dies auf das Wachstum des Embryos und der Plazenta auswirkt. Außerdem könnte sich die chemische Verbindung negativ auf die Wehenbildung auswirken.

Dosierung

Eine normale Dosierung liegt zwischen 5-100 mg CBD pro Tag je nachdem, welches Ausmaß an Wirkungen man erwartet. Man sollte mit einer geringen Dosis starten und diese für einige Tage konstant halten. Danach kann man die Dosis gegebenenfalls nach und nach erhöhen. Für viele Menschen kann es jedoch einige Wochen dauern, bis sie die Effekte tatsächlich ausreichend spüren. Deshalb sollte man sich mit Geduld langsam an seine persönliche, optimale Dosis herantasten.

Bei einem 10 % haltigem Öl wird eine Dosis von 2 mal 5 Tropfen pro Tag empfohlen, was jedoch wie erwähnt persönlich angepasst werden kann. Nach ca. 1.5 – 2 Stunden sollte das CBD vollständig im Blutkreislauf sein.

Cremes und Salben sollten zielgerichtet auf die betroffene Stelle aufgetragen werden, an der man sich Abhilfe bei Verspannungen, Schmerzen, Irritationen und Entzündungen erhofft.

Die Rechtslage

Im Gegensatz zu dem psychoaktiven Canabinoid THC fällt CBD nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Man kann es legal in Form von Cremes, Ölen, verarbeiteten Lebensmitteln und Kapseln erwerben. Der THC Gehalt des Produktes muss jedoch unter 0.2% fallen. CBD Blüten dagegen sind illegal, da es sich hierbei um ein unverarbeitetes Hanfprodukt handelt und das Gesetz vorsieht, dass nur verarbeitete Produkte legal sind.  Ein Vorteil für die kontrollierenden Instanzen ist hierbei, dass man CBD Blüten mit einem legalen THC Gehalt unter 0,2 % nicht mit bloßen Augen von Cannabis mit einem höheren THC Gehalt unterscheiden kann und so viele sonst notwendige Tests damit wegfallen.

Autofahren ist nach Einnahme weiterhin möglich. CBD ist im Blut nachweisbar, jedoch wird nicht danach gesucht, da es keinerlei Einfluss auf Sinne oder die Reaktionszeit gibt, die eine Einschränkung und Gefährdung im Straßenverkehr darstellen würden.

Wie kann man die Wirkung des CBD optimieren?

Der Lebensstil eines Einzelnen wirkt sich auf das körpereigene ECS aus. Eine gesunde Lebensweise begünstigt die Bildung von Rezeptoren und Botenstoffen, über die das CBD wirken kann. Bei chronischem Stress reduzieren sich die Cannabinoide im Körper, also die Stoffe, die vom CBD verstärkt werden. Schlussfolgernd, gibt es weniger körpereigene Cannabinoide mit dem das CBD interagieren kann und die Wirkung fällt geringer aus.

Sport trägt zu einer optimalen Aufnahme bei. Auch Probiotica können helfen, da ein gesunder Darm CBD besser aufnimmt.  Eine gesunde Ernährung ist förderlich. Vor allem eine ausreichenden Aufnahme von Omega 3 Ölen und wenig Omega 6, Zucker, Fett, Chemikalien, Pestiziden, Alkohol und Nikotin begünstigt die Wirkung. Nach einer Mahlzeit mit ausreichend gesunden Fetten soll CBD bis zu 4 mal so stark wirken können.

Über den Autor

Tatjana Ladwig

Tatjana Ladwig

Meine Artikel:

    Kommentiere