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Mainframe-Migration im Großkonzern: Warum Automobilhersteller und Banken ihre IT neu erfinden müssen

Eine Überweisung in wenigen Sekunden, eine Fahrzeugbestellung mit ein paar Klicks oder die automatische Verarbeitung von Rechnungen – vieles davon läuft in Großkonzernen noch immer auf Computern, deren Systeme älter sind als viele Mitarbeitende selbst. Mainframes, also leistungsstarke Großrechner, gelten seit Jahrzehnten als Rückgrat vieler Unternehmen.

Sie sind stabil, können riesige Datenmengen verarbeiten und laufen teilweise seit den 1970er-Jahren  nahezu ohne Unterbrechung. Genau deshalb verlassen sich gerade Banken und Automobilhersteller bis heute auf diese Technologie. Doch inzwischen geraten die Systeme zunehmend an ihre Grenzen. Anforderungen an moderne IT verändern sich rasant: Cloud-Anwendungen, künstliche Intelligenz und digitaler Service benötigen flexible und schnell anpassbare Strukturen. Die Migration vom Mainframe in moderne Cloud-Architekturen entscheidet für viele Großkonzerne nicht nur über ihre IT-Zukunft, sondern zunehmend auch über ihre Wettbewerbsfähigkeit. „Mainframes haben über Jahrzehnte hinweg zuverlässig funktioniert“, erklärt ein IT-Verantwortlicher eines deutschen Automobilherstellers. Heute liege der Fokus jedoch auf offenen und skalierbaren Architekturen, die Innovation schneller ermöglichen können. Viele Großkonzerne stehen folglich vor einer der größten technischen Umstellungen in ihrer Unternehmensgeschichte: Migration weg vom Mainframe.

Warum Mainframes überhaupt noch existieren

Trotz ihres Alters gelten Mainframes keineswegs als veraltet, besonders im Bankensektor besitzen sie bis heute enorme Vorteile. Bei der europäischen Großbank UniCredit laufen zentrale Kernprozesse weiterhin auf Mainframes. Systeme auf Mainframe-Basis seien laut Robert Bernhard, IT-Audit-Manager bei UniCredit, hochverfügbar, ausfallsicher und können Millionen von Transaktionen gleichzeitig verarbeiten. Auch Volkswagen setzt nach eigenen Angaben weiterhin auf Mainframes für geschäftskritische Finanz-, Logistik- und Produktionsprozesse. Der Konzern betont dabei insbesondere die zuverlässige Verarbeitung großer Datenmengen. Auch bei weiteren Automobilherstellern übernehmen Mainframes weiterhin zentrale Aufgaben. Ein großer deutscher OEM (Original Equipment Manufacturer) nutzt sie beispielsweise noch für Rechnungswesen, Controlling und Teile der Logistik. Ein Ausfall hätte dort massive Auswirkungen. „Wir könnten praktisch kaum Autos oder Motorräder verkaufen“, beschreibt ein Verantwortlicher die Folgen eines Systemstillstands. Gerade diese Zuverlässigkeit macht die Migration so schwierig. Viele Programme wurden über Jahrzehnte speziell für Mainframes entwickelt, oft in COBOL oder anderen älteren Programmiersprachen. Diese Systeme sind tief in Geschäftsprozesse integriert.

Historische Systeme, aber immer weniger Spezialisten

Neben technischen Herausforderungen wächst ein weiteres Risiko: Viele Spezialisten für Mainframe-Systeme gehen in den kommenden Jahren in Rente. Nachwuchs gibt es kaum. „Uns geht immer mehr Wissen verloren“, beschreibt ein weiterer deutscher Autohersteller die Situation. Besonders Fachkräfte mit Kenntnissen über COBOL oder die spezielle Mainframe-Architektur seien schwer zu finden. Branchenakteure verfolgen unterschiedliche Ansätze: Einige Unternehmen setzen beispielsweise zunehmend auf künstliche Intelligenz. KI-Systeme analysieren alten Programmcode und helfen dabei, Anwendungen in moderne Programmiersprachen wie Java zu überführen. Laut eines IT-Experten können Analysen, die früher mehrere Wochen dauerten, inzwischen innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden. Um die Systeme für neue Fachkräfte attraktiver zu machen, setzt das deutsche IT-Unternehmen Atruvia inzwischen auf moderne Entwicklungswerkzeuge. So kommen etwa Git zur Versionsverwaltung, DevOps-Praktiken und moderne CI/CD-Pipelines zur automatisierten Software-Bereitstellung im Mainframe-Umfeld zum Einsatz.

Mit der Cloud Richtung Zukunft

Die langfristige Strategie vieler Konzerne ist klar: weg vom Mainframe, hin zu Cloud- und Service-Architektur. Dabei geht es nicht nur um Kosten, sondern vor allem um Flexibilität und Geschwindigkeit. Cloud-Plattformen ermöglichen es, Anwendungen weltweit verfügbar zu machen und schneller weiterzuentwickeln. Allerdings erfolgt diese Umstellung meist schrittweise, im Bankensektor werden deshalb häufig hybride Ansätze verfolgt. Dabei bleiben zentrale Systeme wie Zahlungsverkehr oder Kundendaten zunächst auf dem Mainframe, während Randfunktionen wie Archivierungen bereits in die Cloud ausgelagert werden. Für besonders kritische Anwendungen verarbeitet Atruvia Daten zeitweise sogar auf mehreren Systemen parallel, um Ausfälle während der Umstellung zu vermeiden. Hintergrund sind strenge Service-Level-Vereinbarungen. Systeme dürfen während der Migration nicht ausfallen, Daten müssen vollständig nachvollziehbar bleiben und sensible Informationen benötigen höchste Sicherheitsstandards, gibt auch ein Verantwortlicher von UniCredit an.

Viel mehr als ein rein technischer Umbau

Die Migration vom Mainframe ist deshalb weit mehr als nur ein gewöhnliches IT-Projekt. Sie verändert Strukturen, Prozesse und Arbeitsweisen ganzer Unternehmen. Der IT-Leiter eines internationalen Autoherstellers beschreibt die Modernisierung als eine grundlegende Transformation von Prozessen. Ziel sei es, Systeme transparenter, standardisierter und besser integrierbar zu machen. Gleichzeitig müssen Mitarbeitende neue Technologien erlernen und bestehende Prozesse angepasst werden. Während Mainframes jahrzehntelang Stabilität garantierten, verlangen moderne digitale Märkte heute vor allem Anpassungsfähigkeit. Die alte Technologie verschwindet zwar nicht von heute auf morgen, verliert aber langsam ihre Rolle als Herzstück der Konzern-IT. Stattdessen entsteht Schritt für Schritt eine neue IT-Landschaft: flexibler, cloudbasierter und zunehmend KI-gestützt.

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