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Bioleder – Die Zukunft der Lederbranche

Lederwaren begegnen uns ständig im Alltag. Doch nur ein geringer Teil davon ist nachhaltig, noch weniger davon tierschonend hergestellt. Jonas Mumm und Christoph Mandl möchten mit ihrer Lederwerkstatt THANN Bioleder aus Regensburg die Branche verändern.

Ein Beitrag von Elisabeth Seiler

Der Geruch von Leder ist bei betreten des kleinen Regensburger Ladens zu riechen. In dem liebevoll eingerichteten Verkaufsraum stechen neben den grünen Pflanzen sofort die handgefertigten Gürtel und weitere Produkte aus Bioleder ins Auge. Eine Werkbank dient dort als Ablage.

Die Biolederwerkstatt THANN Leder am Sankt-Georgen-Platz in Regensburg ist ein junger Laden im rustikalen Stil. Jonas Mumm studierte eigentlich Architektur, wusste aber schon früh das er etwas handwerkliches machen möchte. Zusammen mit Christoph Mandl revolutioniert er die Lederbranche. „Das besondere bei uns ist, dass wir auf die Tierhaltung schauen. Das heißt, mit Bioleder meinen wir jetzt nicht nur pflanzlich gegerbt, sondern Rinder aus biologischer Tierhaltung. Und zusätzlich, was sonst glaub ich keiner gewährleistet ist, dass unsere Rinder nie in einen Viehtransporter müssen. Also, sie verbringen ihr ganzes Leben auf der Weide“, erzählt der 32-Jährige Gründer Jonas Mumm. Die Weideschlachtung gilt als die humanste Art der Schlachtung. Durch den Kugelschuss in den Kopf tritt ein sofortiger Tot ein. Eine Erlaubnis dafür ist für die Landwirte leider nur schwer zu bekommen, dass soll sich laut dem Umweltministerium jedoch in Zukunft noch bessern. Damit haben nicht nur die Tiere ein erfülltes Leben im freien, sondern auch kein Leiden bei der Schlachtung. Mit diesem Ansatz wollen die beiden nachhaltige Lederprodukte produzieren, die ein Leben lang halten sollen. Das kämpft nicht nur gegen die Wegwerfgesellschaft, sondern trägt auch zur Kreislaufwirtschaft bei.

Jonas Mumm beim bearbeitet einen Gürtel.
Jonas Mumm beim Bearbeiten von einem Gürtel. Foto: Seiler

Pflanzliche Gerbung für nachhaltiges Bioleder

Auch durch die pflanzliche Gerbung wird zur Nachhaltigkeit der Produkte beigetragen. Durch die Verwendung von pflanzlichen Gerbestoffen anstatt von chemikalien werden weniger Schadstoffe produziert und in das Leder aufgenommen. Somit sind auch die Lederstoffe an sich wieder biologisch abbaubar und müssen nicht verbrannt werden.Trotzdem geht man davon aus, dass nur zehn bis zwölf Prozent aller Leder pflanzlich gegerbt werden.

„Es dauert einfach länger Leder pflanzlich zu gerben. Und dadurch ist das pflanzlich gegerbte Leder teurer und hat natürlich andere Eigenschaften. Es ist jetzt nicht so, dass das Chrom gegerbt Leder nur schlechtere Eigenschaften hat. In manchen Anwendungsbereichen ist es aber gleichzeitig günstiger, weil es schneller herzustellen ist“, erklärt Mumm während er den Ledergürtel zuschneidet.Dadurch ist es für die Industrie recht uninteressant, weil es günstiger ist, die Häute mit Chrom zu gerben. Trotzdem entwickelt sich ein Trend dazu, mehr von den Rohstoffen pflanzlich zu gerben, damit es als Bioleder beworben werden kann.

Bioleder ist kein geschützter Begriff, was es dem Kunden schwierig macht, verschiedene Produkte zu vergleichen. „Es ist ein bisschen Herausforderung in der Abgrenzung, weil es gibt andere Hersteller, die sagen, sie haben Bioleder. Aber eigentlich meinen alle anderen damit nur, dass sie pflanzliche Gerbung haben. Und wir gehen wir eben einen Schritt weiter. Das ist das, was bei uns aussergewöhnlich ist, dass wir also die Tierhaltung mit ins Konzept aufnehmen. Und das hat sonst eigentlich keiner“, erzählt Christoph Mandl.

Mangel an Regionalität

Denn obwohl es viele Bio-Landwirte in Deutschland gibt, kommt der meiste Rohstoff für die Lederverarbeitung immer noch aus dem Ausland. Laut Peta werden ein Großteil der Tiere in Billigproduktionsländern ohne greifende Tierschutzgesetze wie China, Indien, Brasilien oder Bangladesch geschlachtet und deren Häute anschließend auf der ganzen Welt verarbeitet und verkauft. “Man muss ja nur anschauen, wie viel Biofleisch man kaufen kann. Beim Metzger oder im Supermarkt. Dementsprechend gibt es viele Landwirte, die biologische Tierhaltung machen. Das fließt zum Teil halt schon in diesen normalen Lederkreislauf“, erklärt Mumm. Das bedeutet, dass die Häute von den Biorindern ohne Abgrenzung zu den anderen verkauft wird und auch schon im Umlauf ist.

“Man muss ja nur anschauen, wie viel Biofleisch man kaufen kann. Beim Metzger oder im Supermarkt. Dementsprechend gibt es viele Landwirte, die biologische Tierhaltung machen. Das fließt zum Teil halt schon in diesen normalen Lederkreislauf.”

Jonas Mumm

Aus Makeln werden Unikate

Trotzdem haben die Häute von Weidetieren einen Nachteil gegenüber den Stalltieren: durch das Leben im freien verletzten oder Kratzen sich die Rinder häufiger, wodurch dann auch ihre Häute öfter Makel haben. „Ich vermute jetzt mal einiges von dieser Rohware der Haut kommt gar nicht zur Gerbung, weil diese Leder halt nicht so perfekt sind wie die von Stalltieren. Und das muss dann stärker aufgearbeitet werden. Meistens wird das Leder abgeschliffen und dann nochmal die Oberfläche möglichst perfekt gestaltet“, erklärt Jonas Mumm.

Doch auch mit Makeln wird bei THANN Leder anders umgegangen. Mit dem Leben auf der Weide sind die Häute der Rinder nicht immer perfekt. „Wir überarbeiten die jetzt nicht irgendwie, sondern wir kommunizieren sie einfach den Kunden, dass das Häute sind von Tieren, die ihr ganzes Leben auf der Weide verbracht haben und nicht im Stall und dadurch eben Naturmerkmale auf der Haut sichtbar sind. Und für uns ist das eigentlich eher ein Qualitätskriterium als irgendein Makel“, erklärt Christoph Mandl während er das Leder begutachtet. Damit werden aus Makeln Unikate, denn keines der Lederprodukte ist komplett gleich. Somit werden nicht perfekte Materialien nicht sofort aussortiert oder aufwendig bearbeitet, wie es normalerweise passiert, sondern finden noch einen Zweck und werden zum Einzelstück.

Pflanzlich gegerbtes Leder zeigt natürliche Makel.
Pflanzlich gegerbtes Leder mit natürlichen Makeln. Foto: Seiler

Weg von der Wegwerfgesellschaft

Produkte wie Geldbörsen, Taschen oder Gürtel stellen die Regensburger in Handarbeit hergestellt. So sparen sie sich lange Lieferwege und können auf eine hohe Qualität der Lederwaren achten. Das trägt auch dazu bei, dass die Produkte des Regensburger Biolederladens ein Leben lang halten sollen. Dieser Ansatz soll dazu beitragen die Wegwerfgesellschaft zu minimieren und auch letztendlich den Kreislauf von Neuanschaffungen der Lederprodukte zu verlangsamen.

Mehr Eindrücke über Bioleder gibt es auch in unserem Bioökonomie Magazin auf YouTube.

Über den Autor

Elisabeth Seiler

Elisabeth Seiler

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