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Mikroplastik: Das Problem der Textilien

Mikroplastikverschmutzung in den Meeren ist sehr bekannt. Aber Mikroplastik hat viele Eintragswege im Alltag, doch der offensichtlichste Aufnahmeweg wird meistens überblickt: das unserer Textilien.

Ein Beitrag von Elisabeth Seiler

Ein Piepen ertönt beim Scannen der Kleidung an der Kasse. Ein Kleidungsstück nach dem anderen. Einkaufen ohne über die Konsequenzen nachzudenken, gehört mit zum 21. Jahrhundert dazu. Phillip Sommer ist stellvertretender Leiter der Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und beschreibt, wie sich unser Fast-Fashion Konsum ändern muss und welche Probleme er im Zusammenhang mit Mikroplastik verursacht.

Die Deutschen kaufen laut einer Greenpeace Studie durchschnittlich 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Davon bestehen schon circa 60 Prozent aus synthetischen Materialien. Für ihre Produktion wurden bereits im Jahr 2015 1,2 Milliarden Tonnen Treibhausgase freigesetzt.

Das Problem der recycelten Mode

Um Textilien günstiger herzustellen, greift man häufiger auf Kunststoffe zurück, da sie aktuell sehr günstig zu produzieren sind.

Leandra Hamann, Forscherin am Fraunhofer UMSICHT.

Leandra Hamann im Labor. Foto: Leandra Hamann

Das grundsätzliche Problem ist die Wegwerfgesellschaft und die damit verbundene schlechte Nutzung von begrenzten Ressourcen. Doch durch den allgemeinen Trend hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil wird mittlerweile auch vermehrt in der Textilindustrie auf Recycelte und damit CO2 ärmere Fasern, beispielsweise aus alten PET-Flaschen oder Plastikmüll, gesetzt. „Solche Kleidung aus recyceltem Material hat natürlich einen unglaublich besseren ökologischen Fußabdruck, denn die mit der Herstellung verbundenen Emissionen sind deutlich geringer“, erklärt Sommers.

Das ist jedoch durch den beispielsweise hohen CO2-Verbrauch bei der Beschaffung und Wiederverarbeitung des Plastikmülls noch nicht nachhaltig genug. Denn obwohl die Fasern aus dem recycelten Kunststoff 59 Prozent weniger Energie zur Herstellung benötigen als die reinen Polyesterfasern aus Erdöl, ist das immer noch mehr Energie als bei Bio-Baumwolle, normaler Baumwolle, Hanf oder Wolle. Das zeigt ein Bericht des Stockholm Environment Institute aus dem Jahr 2010. Deswegen verbraucht ein T-Shirt aus Polyesterfasern 40 Prozent mehr CO2 als Baumwoll-Shirt.

Kein Unterschied beim Mikroplastik

Feinstes Mikroplastik auf einem Finger.
Mikroplastik auf Finger. Bild: gradt/ stock.adobe.com

Mit der Verwendung von diesen Polyesterfasern steigt die Umweltbelastung durch Mikroplastikfasern. Bezogen auf die Mikroplastik-Emissionen macht es jedoch keinen Unterschied, ob die künstliche Faser nun recycelt wurde oder nicht. „Die Mikroplastik-Emissionen den aus Kunststoff-Fasern der Kleidung werden zum einen beim Tragen freigesetzt. Hier lässt es sich kaum verhindern, außer man setzt eben auch Baumwolle oder andere Materialien ein. Bio-Plastik ist hier oftmals allerdings keine Lösung“, bestätigt Sommer. Mit dem Tragen und Waschen unserer Kleidung lösen sich mikroskopisch kleine Fasern und gelangen somit in den Umlauf. Den größten Teil nimmt man dabei durch die Atemluft auf. Diese Mikroplastik-Teilchen werden nicht durch natürliche Prozesse abgebaut und bleiben über Hunderte von Jahren in der Umwelt. Laut einer aktuellen Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist die Belastung durch Mikroplastik in den Meeren wesentlich größer als bisher angenommen. Dabei stammt ein großer Teil dieses Plastiks aus den Textilien.

Mikroplastik im Alltag

Die Waschmaschine rumpelt und schleudert. Von außen nicht spektakulär, doch im Inneren lösen sich kleinste Plastikpartikel aus unserer Kleidung. Denn überall wo Plastik ist, lauert auch das unscheinbarere Mikroplastik in der Umwelt. Durch den Abrieb beim Tragen der Kleidung geraten die winzigen Mikroplastikfasern in die Luft und beim Waschen in das Abwasser. Selbst Kläranlagen können diese winzigen Fasern nicht komplett herausfiltern. Sobald die kleinen Plastikpartikel einmal im Umlauf sind, nimmt man sie auf, ohne es zu merken.

„Man muss einfach mal überlegen, was man selber jetzt jeden Tag trägt. Es wird jetzt kälter, vielleicht zieht man einen Fleecepullover an. Während man im Büro sitzt und sich bewegt, reibt sich Mikroplastik ab, sodass es dann in der Luft ist. Und es ist ja direkt in meiner Umgebung, also atme ich in das Mikroplastik mit ein. Es ist direkt mit Hautkontakt mit mir verbunden, dadurch dass ich den Fleecepullover trage. Und wenn ich vielleicht einen Tee oder ein Glas Wasser neben mir stehen habe, dann setzt sich auch der Staub in diesem Wasser ab. Und wenn ich das dann trinke, nehme ich das wiederum wieder zu mir“, erklärt Leandra Hamann, Forscherin am Fraunhofer UMSICHT.

Eine Studie der University of Newcastle in Australien hat herausgefunden, dass Menschen durchschnittlich jede Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik aufnehmen. Das ist ungefähr so viel, wie eine Kreditkarte.

Kreislauf von Mikroplastik aus Textilien. Foto: Fraunhofer UMSICHT

Der Closed-Loop Recyclingkreislauf

Doch auch nachhaltige Herstellung alleine reicht nicht. Die Wiederverwertung ist die zu bevorzugende Lösung, um den CO2-Fußabdruck der Textilien zu vermindern. „Die Industrie müsste jetzt einen Weg finden, um diese Synthetikfasern auch wieder zu recyceln und daraus neue Textilien herstellen, sodass wir zu einem Closed-Loop Recyclingkreislauf kommen“, beschreibt der stellvertretender Leiter der Kreislaufwirtschaft der DUH. Der Recyclingvorgang ist jedoch komplex. Denn wenn die verschiedenen Fasergemische einmal miteinander verarbeitet sind, ist es meist schwer, sie wieder zu recyceln.

Weg von der Billigmode

Um die Nachhaltigkeit des Kleidungs-Konsums zu steigern, ist langfristig gesehen eine Kreislaufwirtschaft notwendig. Das bedeutet, dass so viel wie möglich der aussortierten Kleidung wieder verwendet und verwertet wird. Die Abfälle und der Ressourcenverbrauch sollen minimiert werden und alle verwendete Ressourcen wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Auch der Umstieg auf Secondhand Textilien zählt dazu. Denn Ziel ist es, einen Kreislauf der Kleidung zu konstruieren und dabei so wenig Müll entstehen zu lassen, wie möglich. Ganz im Gegenteil zu der Fast-Fashion Branche. „Hier muss zum einen die Politik auch die Hersteller in die Pflicht nehmen. Die großen Vertreiber, die ja auch gleichzeitig Hersteller sind, sollten zum einen grundsätzlich versuchen die Lebensdauer ihrer Kleidung zu verlängern. Zum einen muss man wegkommen von dieser Billigmode hin zu hochwertigerer Kleidung, und dann sollten auch Rücknahme und Secondhand Konzepte unterstützt werden“, bestätigt Sommer der Deutschen Umwelthilfe.


Doch der Wandel hin zu dieser Kreislaufwirtschaft passiert nicht von alleine. Im Weg stehen dem hochwertigen Recycling aktuell noch die Unwirtschaftlichkeit im Vergleich zu anderen Recyclingprozesse, wie beispielsweise der Müllverbrennung oder dem Downcycling. Deshalb braucht es für die Umsetzung dieses Kreislaufs einen regulativen Rahmen, wirtschaftliche Anreize sowie Eigeninitiative der Käufer.

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Elisabeth Seiler

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