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Bier der Marke Eigenbrau

Morgens halb zehn in Deutschland: wohin das Auge reicht nur Bier. Menschen trinken und unterhalten sich. Es riecht nach Hopfen, Malz, Reinigungsmittel und Essen. Nein, es handelt sich weder um eine Studentenparty, noch um den bayerischen Frühshoppen. Die Rede ist von der Craft Beer Area und dem angrenzenden Themenpavillion Brau@Home auf der BrauBeviale in Nürnberg.

Pils, Ale, Weizen, Keller, Dunkel, Hell oder Radler, die Deutschen lieben ihr Bier und trinken trotz eines Konsumrückgangs knapp 100 Liter im Jahr. Ein Grund dafür sind die beinahe 1500 vom Deutschen Brauer Bund gelisteten Brauereien des Landes. Im Gegensatz dazu stellt das amerikanische Brauwesen einen Vergleich zur Massenproduktion von Fleisch da. Möglichst viel Absatz durch wenige große Hersteller. Geringe Alkoholanteile, fader Geschmack und eine quasi Monopolstellung führen zur Unzufriedenheit der Genießer. Mit dem Internet kommt sowohl das Interesse und der Vergleich zu anderen Herstellern und Ländern, dazu auch die Möglichkeit sich Techniken anzueignen. So entsteht der Begriff Craft Beer aus einer Bewegung hin zu einer „traditionelleren“ Brauweise in Amerika. Kleine Startup Brauereien produzieren lokales, geschmackvolles und differenzierbares Bier in Kombination aus Handarbeit und moderner Technik. Eigentlich ist es genau das was deutsche Brauereien schon seit Jahrhunderten machen und so kommt der Trend hierzulande erst langsam und in anderer Form auf. Mit Minikesseln und Küchenutensilien produzieren Gastronomen für Events, Messen oder das eigene Lokal Tagesbiere. Doch die Schritte hierfür sind zeitaufwendig und benötigen viel Wissen. Beispielsweise über das Maischen, also den Prozess, bei dem man aus den Rohzutaten Malz, Wasser und Hopfen durch kochen, rühren, stehen lassen und filtern die Würze, also die Grundlage für das Bier, erhält.

Craft Beer – Trend aus Amerika

Craft Beer kommt aus Amerika und beschreibt dort das Brauen mit traditionellen Mitteln. Nach dieser Definition fallen in Deutschland die meisten Brauereien in die Kategorie Craft Beer. Mitunter deshalb etabliert sich hierzulande eine wörtlichere Auslegung des Begriffs: Es geht um das Brauen mit der Hand und im kleinen Stil. Gerade bei Bierenthusiasten, Gastronomen und Eventbetreibern setzt der Trend an.

Die Braueule von Brumas ist der Platzhirsch am Markt.
Die Braueule von Brumas am Stand von Brau Campus gehört zu den Platzhirschen der Minibrauanlagen die dem Braumeister viele Möglichkeiten der großen Geschwister bieten. Foto: Matthias Schulz

Wie entsteht Bier?

Der Brauprozess gliedert sich generell in fünf Abschnitte. Am Anfang erhitzt und rührt man Malzschrot mit Wasser in einem Topf, um Maische zu produzieren. Danach trennt man bei der Läuterung den Treber, also die Feststoffe, die als Tierfutter dienen, von der Würze. Mit der folgenden Hopfenzugabe und erneuter Erhitzung legt der Braumeister die Herbheit des Bieres fest. Im vierten Schritt filtert man erneut durch einen Whirlpool, also einen Strudel, der die restlichen Feststoffe von der Würze trennt. Danach folgt mit der Zugabe der Hefe der Gärprozess, hierbei wandelt diese den gelösten Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol um. Je nach weiterem Vorgehen kann das Jungbier nun getrunken oder noch in einen Lagertank gegeben werden um es noch klarer zu machen. Allgemein gilt: Vor dem Abfüllen nochmals filtern.

Bier Brauen im eigenen Kochtopf

Deshalb entwickelt Thomas Vogel das Baukastensystem Dein Bier Selbstgebraut und Bierkönig die Vogel unter der Marke Das Bier bereits seit über 15 Jahren Online vertreibt. Hier gibt der Händler dem Käufer alle Einzeilteile des Produktes vorbereitet an die Hand und bietet so einen einfachen Einstieg für den Heimbrauer. „Unser Angebot setzt dort an wo die schmutzige Arbeit aufhört“, sagt Vogel. „Der Kunde kann direkt mit Haushaltsgegenständen den Brauprozess beginnen.“ Der Einsteiger benötige lediglich einen Herd mit 2 Töpfen und eine Bierspindel um den Alkohol- beziehungsweise Stammwürzegehalt bestimmen zu können. Der Braushop führt sowohl vorbereitete Pakete als auch einzelne Produkte, alles perfekt aufeinander abgestimmt und trotzdem kombinierbar. So sei es möglich ein Bier innerhalb von acht Stunden zuzubereiten. Zwar ist eine Individualisierbarkeit gegeben, jedoch liegt der Fokus auf der guten Reproduzierbarkeit des Endprodukts. Trotzdem erleichtert später das Schrittweise ersetzen einzelner Arbeitsschritte den Übergang zum professionelleren Brauen. Gerade dann reizen viele Hersteller mit kleinen vollautmatischen, teilautomatischen und vollständig handbetriebenen Bierbrauanlagen. Diese liegen in Preiskategorien von 100 bis 6000 Euro. Aber auch bei Anfängern finden die Helfer dank ihrer integrietern Rezeptvorschläge ebenso goßen Anklang

Kesselwissen

Trotz der großen Versuchung rät Gerhard Batschak, Gründer von Brau Campus, einem Anbieter für Schulungen in der Kunst des Brauens: „Kauf dir erstmal ein gutes Buch und versuch ein Rezept drei mal hintereinander gleichmäßig hinzubekommen.“ Erst dann seien technische Erweiterungen wie verschiedene Braukessel sinnvoll. „Ich weiß nicht wie viele Braumeister im Keller verstauben oder nur noch zum Glühweinkochen missbraucht werden“, sagt Batschak.

Günstige Brauanlagen wie der Klarstein Mundschenk (vorne im Bild) gibt es bereits für 400 Euro. Sie beinhaltengespeicherteRezepte. Trotzdem rät Gerhard Batschak Anfängern erstmal zu einem Buch, um sich über die Grundlagen zu informieren. Denn im Internet stünde viel Mist, das führe zu Misserfolgen und halte die Interessierten von einem guten Bier ab. Und zudem braucht man eigentlich nur Haushaltsartikel und eine Bierspindel.
Günstige Brauanlagen wie der Klarstein Mundschenk gibt es bereits für 330 Euro. Sie beinhalten gespeicherte Rezepte.
Foto: Matthias Schulz

Ein zentraler Sammelpunkt für Informationen rund um diese findet sich im Themenpavillion Brau@Home auf der Brau Beviale. Da jeder Kunde etwas anderes wünsche sei der Austausch mit den Besuchern besonders wichtig meint Vogel, Mitbegründer der Brau@Home. So habe man im Vor- und Nachgang der Messe eine Umfrage zu Interessen, Händlern und Zufriedenheit des Angebots gemacht, um genau das Liefern zu können was die Interessierten suchen. Aus diesen Wünschen ergibt sich die Aufstellung mit Vorträgen, verschiedenen Brauwettbewerben und sowohl Händlern mit Rohstoffen und Zusatzprodukten und verschiedenen Brauanlagen im kleinen Stil, sowie Brauverbänden. Die Themen der Vorträge erstrecken sich von verschiedenen Gärverfahren, über die unterschiedlichen Rohmaterialen bis hin zur Reinigung des Equipments. Diese sei besonders wichtig und man sollte sich beraten lassen welche Reinigungsmittel für welchen Produktionsschritt geeignet sind, sagt Batschak. Die meisten Händler bieten aber solche direkt mit ihren Produkten an.

Sau – Sauer – Hopfensau

Einer dieser Händler ist Georg Moser von Sudkraft aus Österreich mit seiner 50 Liter Hopfensau. Was äußerlich wie ein Betonmischer wirkt, ist tatsächlich ein komplett handbetriebener Dampfbraukessel. Das Brauen dauere zwar genauso lang, mache aber viel mehr Spaß! „Ursprünglich wollten wir die Hopfensau in einer Waschmaschine bauen, das hat aber nicht so gut funktioniert. Ein Freund hat gerade seine Einfahrt betoniert, also wurde es ein Betonmischer”, sagt Moser. Bei der 50 Liter Hopfensau setzt Mosers Firma auf Handarbeit und stellt sich damit gegen automatisierte Prozesse. Diese erleichtern die Arbeit auf Kosten der Freiheit und Kreativität. So erhitzt bei der Hopfensau der Sud durch schnelleres Drehen der Trommel gleichmäßiger, wodurch der Geschmack weicher ausfällt. Trotzdem ist der Preis für die Sau von über 4000 Euro nicht für jeden. „Die ist aber auch nichts für Einsteiger”, betont Moser, „der Benutzer muss einfach wissen was er da tut sonst kommt da nichts Gescheites raus.”

Brauanlage Hopfensau
Der Betonbiermischer Hopfensau von Sudkraft stellt einen Exoten unter den Anlagen da. Das Team um Georg Moser priorisiert die Erfahrung und den Prozess mit wenig technischen Hilfsmitteln. Foto: Matthias Schulz

Die kleinen Brauanlgen funktionieren ganz gleich welcher Marke genauso wie ihre großen Geschwister, es finden nahezu die gleichen Prozesse statt, selbst die gleichen Rohstoffe kommen zum Einsatz. Der einzige Unterschied besteht in der Dimmension. Die Arbeit ändert sich nicht. Stehts kommen Hopfen, Malz, Wasser, Wärme und Zeit zum Einsatz um am Ende das erfrischende Kühle nass genießen zu können. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener jeder muss für sich selbst klären ob eine kleine Brauanlage für ihn rentabel ist oder nicht. Möglich ist es genauso ohne ein Bier mit Freunden zu genießen und dann bleibt auch noch ein bisschen Geld für Grillen übrig.

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Matthias Schulz

Matthias Schulz

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