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Versteckte tierische Stoffe in Lebensmitteln

Schweineborsten in Backwaren, Fischgelatine im Fruchtsaft und Hühnereiweiß im Wein. Appetitanregend hört sich das nicht gerade an. Aber viele vermeintlich vegane oder vegetarische Lebensmittel enthalten tierische Stoffe, ohne, dass dies auf der Verpackung angegeben werden muss.

Diese Bestandteile sind gesundheitlich nicht problematisch, trotzdem sind sie erschreckend, unappetitlich und vor allem für strenge Veganer ein No-Go.

Verarbeitungshilfsmittel müssen in der Zutatenliste eines Produkts nicht vermerkt werden, auch wenn Rückstände im Endprodukt enthalten sind. Diese Mittel werden zur technologischen Herstellung eines Produkts benötigt. Dazu zählen beispielsweise Klärmittel von Säften, Düngemittel von Obst oder Labenzyme bei der Käseherstellung. Somit sind viele Weine streng genommen nicht vegan und auch viele Säfte und Biere nicht.

Hühnereiweiß in Wein

Einige Winzer ersetzen bereits tierische Stoffe zur Klärung des Weins durch pflanzliche. (Foto: Katharina Stöger)

Wein ist an sich ein pflanzliches Produkt. Aber auch Weine sind teilweise nicht vegan. Der Unterschied zwischen veganem und nicht veganem Wein liegt in der Herstellung. Viele Weine werden durch tierische Klärmittel filtriert. Somit werden die unerwünschten Trübstoffe entfernt. Hauptsächlich wird Hühnereiweiß verwendet. Das bindet die Trübstoffe, die sich sonst absetzen würden. Außerdem verringert Eiweiß den Gerbstoffgehalt und lässt den Geschmack milder werden. Pro 100 Liter Wein werden ungefähr drei Eiklar gebraucht. Zur Klärung verwenden manche Hersteller auch Gelatine vom Rind oder Schwein. Ein Protein aus der Fischblase oder Casein aus frischer Milch wird auch genutzt. Casein ist eine Mischung aus Proteinen und beseitigt Trübungen. Es kann auch essigähnliche Geschmacksnoten mildern. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dass er veganen Wein trinkt, muss auf die vegan-Label auf den Flaschen achten.

Schweineborsten in Backwaren

Vor Allem in industriell arbeitenden Großbäckereien wird L-Cystein als Mehlbehandlungsmittel eingesetzt. L-Cystein ist eine Aminosäure. Sie wird hauptsächlich aus Schweineborsten oder Federn gewonnen. Die Konsistenz und Eigenschaften des Teigs können damit beeinflusst werden. Davon erfährt der Verbraucher in der Regel nichts.

Fischgelatine in Fruchtsäften

Nicht alle Fruchtsäfte sind vegan. (Foto: Katharina Stöger)

Neben Weinen werden auch einige Biere und Fruchtsäfte durch tierische Gelatine geklärt und von Trübstoffen befreit. Daher wird strengen Veganern empfohlen auf das vegan-Label auch bei diesen Produkten zu achten. Tierische Gelatine wird zudem noch anderweitig verwendet. Sie wird in diverse Fruchtsäfte als Träger von zugesetzten Vitaminen beigemischt. Hierbei verwenden Hersteller oft Fischgelatine. Außerdem enthalten Orangensäfte oft Omega-3-Fettsäuren. Auch diese stammen vom Fisch ab. Die Verbraucherorganisation FoodWatch kaufte 30 Apfelsäfte aus verschiedenen Supermärkten. Sie wurden auf tierische Bestandteile geprüft. Mehr als jeder dritte Apfelsaft wies tierische Gelatine auf.

Tierische Gelatine ist aber nicht die einzige Möglichkeit zur Klärung von Säften, Bieren oder Weinen. Es gibt pflanzliche Mittel zur Klärung. Beispielsweise setzen Hersteller bereits Erbsenprotein statt tierischer Gelatine ein.

Rind in der Chipstüte

Laut FoodWatch sind auch Chips häufig nicht vegan. Ihr würziges Aroma beziehen sie oft von tierischen Bestandteilen, wie von dem Rind oder Fisch. Der Verbraucher erfährt davon meistens nichts.

Tierschalen an Bananen

Bananen werden oft mit einem Pestizid aus tierischem Stoff gespritzt. (Foto: Katharina Stöger)

Viele kennen das Klischee des Veganers, der im Supermarkt nachfragt, ob das Obst wirklich vegan ist. Das scheint für die meisten eine hirnrissige Frage zu sein. Aber so unberechtigt ist sie gar nicht. Denn Bananen sind nicht immer vegan. Viele Bauern behandeln das Obst mit Chitosan. Dieses Pestizid stammt hauptsächlich aus den Panzern von Garnelen. Es verlangsamt das Ausreifen der Bananen. Damit bekommen sie auf dem langen Transportweg nicht so schnell braune Druckstellen. Wer sicher gehen möchte, dass er chitinfreie Bananen kauft, muss Bio-Bananen wählen. Damit können auch andere chemische Düngemittel vermieden werden.

Wer aus religiösen, ethischen oder anderen Gründen auf tierische Stoffe strikt verzichten möchte, kann dies kaum umsetzen. Es fehlt an klaren Kennzeichnungsregeln. Die Vegane Gesellschaft Deutschland, der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) und FoodWatch haben schon 2013 einen Gesetzesentwurf zur Kennzeichnungspflicht vorgelegt. Die Organisation forderte darin eine klare Pflicht zur Kennzeichnung. Alle Zutaten und Hilfsstoffe tierischen Ursprungs sollen auf den Produkten angegeben werden müssen. Das Gesetz wurde jedoch noch nicht durchgesetzt. Laut FoodWatch haben einige Hersteller aber trotzdem reagiert. Sie haben einige Produkte umgestellt oder klarer gekennzeichnet. Beispielsweise verzichtet ein bekannter Chips-Hersteller nun bei mehreren Produkten auf tierische Aromen. Eine Käse- und Milchprodukte Marke hat nun auf die Verpackung einer Frischkäsesorte den Hinweis „ohne Zusatz von Gelatine“ aufgedruckt. Außerdem haben auch Saftunternehmen reagiert und klären Säfte nun mit pflanzlichen Mitteln.

Was können wir als Verbraucher dagegen machen? Auch als Nicht-Veganer können wir auf das Vegan-Label im Supermarkt achten. Somit stellen wir sicher, dass der Hersteller keine tierischen Stoffe in der Produktion verwendet hat. Dadurch unterstützen wir Unternehmen, die Alternativen zu den tierischen Hilfsstoffen nutzen.

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