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Bewässerungsmanagement und Wassersteuerung im Weinberg

Durch immer heißere Sommer sehen sich die Weinreben zusätzlicher Belastung ausgesetzt. Winzer versuchen mit möglichst geringem Ressourceneinsatz der Rebe soviel Wasser zuzuführen wie nötig. Ein anpesasstes Bewässerungsmanagement hilft mit wem knappen Wasser zu haushalten.

Trockenstress lässt sich durch ein vernünftiges Bewässerungsmanagement beeinflussen.  Die erhobenen Daten, beispielsweise aus der Thermometriemessung, werden mit den bestehenden Karten der Weinberge und den Wettergegebenheiten zusammengebracht.  Am Weinberg wird es zukünftig also eine Kombination aus Drohnen, Bodensensoren und Modellrechnungen geben. Dadurch wird genau berechnet, wieviel Wasser zur Bewässerung benötigt wird. Denn die Pflanze reagiert auch auf eine Überwässerung sehr sensibel. „Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser ist also im doppelten Hinblick wichtig“, meint Dr. Heßdörfer vom LWG Veitshöchheim. Die Bodensensoren dienen dabei aber nicht der Nährwertemessung, sondern erfassen beispielsweise den Wassergehalt und die aktuelle Bodensaugspannung. Die Kombination aus verschiedenen Messungen ergibt ein nahezu umfassendes Bild. Bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (kurz LWG) in Veitshöchheim erfolgt dies bereits seit zehn Jahren standardmäßig.

Wassertank über Weinberg
Ohne Wasserzufuhr geht im Weinberg in den trockenen Sommern nichts mehr. Foto: LWG Veitshöchheim

Die Weinbauregion Franken gilt als wärmste und niederschlagärmste Region Bayerns.  Ähnlich wie bei der beschriebenen Thermometriemessung ist auch bei der Bewässerung ein gemeinschaftliches Zusammenwirken der am Weinberg Beteiligten von Nöten. Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau ist sich sicher, dass in Zukunft oberhalb jeder größeren Weinberglage auch ein zentrales Wasserreservoir entstehen muss.  Aktuell gibt es dazu mehrere Versuchsobjekte, wie zum Beispiel am Thüngersheimer Schallachberg.  Am Würzburger Pfannenberg befindet sich solch ein Reservoir bereits im Bau und auch in Iphofen ist ein Großprojekt in Planung. Die Wassertanks sollen durch Begrünung weitestgehend ins landschaftliche Bild eingebunden werden, denn die Weinberge sind häufig auch ein Naherholungsziel der Bevölkerung. Deshalb erscheint eine Akzeptanz der Gesellschaft als notwendig.

Bewässerungsmanagement Zwiti

Um den Aufwand vergleichsweise gering zu halten, wird eine Bewässerung reihenweise, mittels Tröpfchenbewässerung, durchgeführt. Mehrere Reihen können auch in zusammenhängende Sektoren, die sogenannten Bewässerungsquartiere, zusammengefasst werden, welche dann separat angesteuert werden. Aufgrund der Topografie des Hanges gilt eine Überwässerung mittels Tröpfchenbewässerung als sehr unwahrscheinlich.

Wasserschläuche in Weinberg
Der Eingriff in den Weinberg bleibt dank der Tröpfchenbewässerung möglichst gering. Foto: LWG Veitshöchheim

Zunächst wird in den wasserreichen Wintermonaten Wasser aus den regionalen Flüssen entnommen. Hierfür wird die Schneeschmelze im Februar und März genutzt. Die im Sommer ohnehin heikle Wassersituation wird dadurch nicht weiter intensiviert. So wird vermieden, dass die (önologische) Landwirtschaft in Konkurrenz zum urbanen Raum tritt, wie es beispielweise in Kalifornien oder Südafrika häufig der Fall ist. Der Eingriff in den Weinberg und damit verbunden der infrastrukturelle Aufwand sollen möglichst geringgehalten werden, weshalb die Leitungen für die Tröpfchenbewässerung überirdisch verlaufen können. Lediglich die Querung von Straßen muss unterirdisch erfolgen, um die Leitungen zu schützen. 

Steuerung fürs Klima

Die Steuerung solcher Bewässerungssysteme erfolgt mittels Aktoren und besitzt in der Regel nur einen geringen Platzbedarf, beispielweise in einer Winzerhütte oberhalb des Weinbergs. In einem autonom agierenden System wird diese Steuerung mittels Photovoltaik auf dem Dach der Hütten betrieben, Akkus dienen als Pufferspeicher für die Steuerung. Die benötigten Befehle erhält die Steuerung von den erfassten Daten und daraus berechneten Bewässerungsempfehlungen. Durch die Gewichtskraft und die damit verbundene Lageenergie des Wassers in den Reservoirs erfolgt die Wasserversorgung so energiesparend wie möglich und damit weitestgehend ohne zusätzlichen Energieeinsatz. Laubblattmanagment und die passende Rebsortenwahl haben aber einen ebenso großen Einfluss auf den späteren Wein. 

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