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Fachmedien der Lebensmittelbranche: Food Technologie

Im Jahr 2020 erwirtschaftete die deutsche Fachmedienbranche einen Umsatz von 7,43 Milliarden Euro. Die ‘Food Technologie’ des Dr. Harnisch Verlages gilt als bestens etablierte Fachzeitschrift innerhalb der Lebensmittelbranche. Sie erscheint fünf mal im Jahr und informiert über neue Maschinen, Produkte, Messen und Events in der Lebensmittelbranche. Die Zielgruppe besteht aus Produzenten und Lieferanten. Ein Interview mit Ian Healey.

Ein Gastbeitrag von Nina Helfers, Clara Hilpert und Elvire Frank

Healey ist seit 1992 beim Dr. Harnisch Verlag tätig. Seit rund 20 Jahren ist er Redakteur bei der ‘Food Technologie’ sowie Chefredakteur bei der englischen Version ‘Food Marketing & Technology’. Im Blick hinter die Kulissen:

Wie hat sich das Medium in der Lebensmittelbranche etabliert?

Ian Healey: Das Magazin gibt es ja schon seit 1988. In den 80er-Jahren gab es weniger allgemeine Zeitschriften für Hersteller auf dem Markt. Es gab viele spezialisierte Zeitschriften für Metzger, Bäcker oder allgemeinere Titel für Händler. Es entstand also die Idee, eine allgemeine Zeitschrift speziell für Nahrungsmittelhersteller zu machen. Das fing mit der deutschen ‘Food Technologie’ an.

Cover der Mai-Ausgabe 2021 von Food Technologie. Foto: Food Technologie

Welche Beitragsformen wählen Sie für das Medium?

Healey: Es ist eine Mischung aus Fachartikeln, Advertorials und Berichten. Unser Chefredakteur Martinek koordiniert die Artikel und redigiert diese auch. In der Internationalen handhaben wir das ebenso. Es geht nicht darum, dass die Firmen behaupten, sie seien die Besten. Vielmehr geht es darum, dass das was sie machen, anderen dabei helfen könnte, ihre Lebensmittelprodukte besser herzustellen. Wir versuchen etwa über neutrale Fallbeispiele zu berichten, bei denen ein Kunde durch eine Maschine Vorteile hatte und beispielsweise seine Nahrungsmittel besser oder schneller herstellen konnte.

Wie generieren Sie den Input für die ‘Food Technologie’?

Healey: Wir haben über die Jahre einige Firmen kennengelernt und ein gutes Verhältnis aufgebaut. Wenn diese also etwas Neues entwickelt haben oder etwas zeigen wollen, kommen sie auf uns zu. Es passiert aber auch, dass wir selbst nachfragen. Wir gehen auch selbst vor Ort, schauen eine Fabrik an und interviewen die Führungskräfte oder Forschende. Wir berichten mit unserer Redaktion dann direkt aus den verschiedenen Betrieben. Vor zwei Jahren konnten wir außerdem noch auf Messen gehen. Dort konnten wir direkt mit Vorständen bis Marketing-Managern sprechen und uns über Neuentwicklungen informieren. Welche neuen, besseren und schnelleren Maschinen gibt es, wie sieht es mit den Verpackungen aus, welche neuen Rohstoffe gibt es auf dem Markt und so weiter. Daraus entstand der Redaktionsplan, welcher teilweise bis zu einem Jahr im Voraus durchgetaktet war.

Messen sind sicher nicht der einzige Informationskanal für Neuigkeiten in der Food-Branche?

Healey: Informationen kommen oft über Messen, aber mittlerweile auch über direkte Kontakte von Leuten, die wir in den Firmen schon lange kennen. Wir sind auch bei Tagungen oder Webinaren dabei und lernen neue Verfahren kennen, die wir dann unserem Leser nahe bringen. Und natürlich gibt es auch PR- oder andere Agenturen, die Informationen streuen. Über unsere direkten Kontakte in der Firma erfragen wir bei Bedarf nähere Informationen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Medium?
Healey: Das Ziel ist, eine Verbindung zwischen den Lebensmittelherstellern und den Zulieferern der Nahrungsmittelindustrie herzustellen. Das sind Maschinenbau- und Verpackungs-, aber auch Rohstoffhersteller. Die Verteilung über die einzelnen Branchen ist bei uns sehr ausgeglichen. Diese sind vor allem die Fleischindustrie aber auch die Segmente Backwaren, Obst und Gemüse oder Süßwaren.

Weshalb rezipiert hauptsächlich Personen aus der Backwaren- und Fleischindustrie die ‘Food Technologie’?

Healey: Vielleicht liegt das an der Zusammenstellung der Artikel durch die Redaktion. Die Ausgaben werden auf die verschiedenen Messen zugeschnitten. Wenn eine große Backwarenmesse bevorsteht, dann liegt auch der Fokus unserer Artikel auf Backwaren. Außerdem ist Deutschland auch bekannt für sein Brot und seine Backwaren. Zudem gibt es in Deutschland auch viele fleischverarbeitende Betriebe. Vielleicht gibt es aus diesem Grund mehr Leser aus diesen, als aus anderen Bereichen.

‘Food Marketing & Technology’ für den weltweiten Markt

Inwieweit unterscheiden sich die beiden Titel ‘Food Technologie’ und ‘Food Marketing & Technology’?
Healey‘Marketing und Technology‘ ist englischsprachig mit einem Fokus auf weltweite Leser. ‘Food Technologie’ ist deutschsprachig und deckt grundsätzlich die Themen ab, die für den deutschsprachigen Raum interessant sind. In der ‘Food Marketing’ würden wir beispielsweise eher eine Bäckerei aus Mexico bringen oder Trends aus den USA, die nach Europa schwappen. Für ‘Food Technologie’ bringen wir Sachen, die näher sind.

Analysieren Sie Ihre Rezipienten? Beispielsweise durch einen Copytest?
Healey: Das haben wir in früheren Jahren gemacht. In letzter Zeit aber weniger. Gerade bei dem Newsletter, welchen wir seit Corona anbieten, merken wir die Beliebtheit unseres Mediums an den Klickzahlen oder über die Seitenverweiszahlen. Daran können wir ablesen, wie erfolgreich die einzelnen Artikel sind und ob die Leser auch wirklich finden, was sie suchen.

Chefredakteur Ian Healey

“Die Zeitschrift ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern für die Industrie.”

– Ian Healey

Ihre Redaktion ist in den sozialen Medien kaum präsent. Was ist der Grund dafür?
Healey: Wir sind schon auch auf den sozialen Medien präsent, allerdings hauptsächlich in fachspezifischen Gruppen und Plattformen. Gerade in der Lebensmittelindustrie ist es ein bisschen schwierig festzulegen, was öffentlich gemacht werden soll. Schließlich ist die Öffentlichkeit oft negativ gegenüber der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie eingestellt. Wenn beispielsweise etwas über Insektenprotein geschrieben wird, gibt es gleich negative Stimmen. Noch bevor nachgedacht wurde, oder man weiß, um was es überhaupt geht. Bei PET-Flaschen ist das ähnlich: es entstehen automatisch negative Kommentare. Dabei können PET-Flaschen einiges für die Umwelt bringen, weil sie – im Gegensatz zu Glasflaschen – leichter zu transportieren und zudem recyclebar sind.

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